Wassertourismus in Berlin und Brandenburg : Viel zu tun für die Wasserschutzpolizei

Die Wasserschutzpolizei hat mehr zu tun als im vergangenen Jahr. Ein Grund dafür sind die vielen Freizeitskipper.

Stefan Engelbrecht
Viel Arbeit für die Wasserschutzpolizei - hier die Besatzung des in Berlin stationierten Schiffs "Pelikan". Foto; Thilo Rückeis
Viel Arbeit für die Wasserschutzpolizei - hier die Besatzung des in Berlin stationierten Schiffs "Pelikan".Foto; Thilo Rückeis

Es ist schon eine tolle Sache: Mit einem Floß raus aufs Wasser, grillen mit Freunden, Bier trinken, feiern. Nur sollte einer nüchtern bleiben und das 15 PS starke Gefährt sicher steuern können. An schönen Sommertagen, wie sie jetzt wieder für das Wochenende erwartet werden, sieht man auf den Gewässern in und rund um Berlin zahlreiche dieser sogenannten Huckleberry-Flöße auf den Seen und Flüssen. Doch für die Wasserschutzpolizei werden die Freizeitaktivitäten zunehmend zum Problem: Um 20 Prozent stieg im Bereich Potsdam die Zahl der Einsätze seit Mai im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, sagt der Leiter der Wasserschutzpolizei der Direktion West, Joachim Pötschke.

Von Mai bis August rückten die Beamten 184 Mal aus – im Schnitt ein Einsatz täglich. Zudem wurden 1500 Kontrollen bei Wassersportlern durchgeführt und 300 Regelverstöße festgestellt, die mit Bußgeldern geahndet wurden. Laut Pötschke wurden vor allem Schiffe der Berufsschifffahrt kontrolliert und Unfälle bearbeitet.

So brannte im Juli eine Jacht auf dem Schlänitzsee bei Bornim aus. Das Boot wurde zerstört, die vier Insassen konnten sich unverletzt retten. Zudem war im Mai der 52-jährige Schiffsführer eines Schubverbandes in den Teltowkanal gestürzt und ertrunken. Veranstaltungen wie die Klausurtagung der CDU/CSU auf der Halbinsel Hermannswerder im Juni mussten geschützt und Anzeigen zu Diebstahlsdelikten und Gewässerverunreinigungen aufgenommen werden. Auch die Fähre nach Hermannswerder musste immer wieder Zwangspausen einlegen. Ein halbes Dutzend Mal hätten Freizeitkapitäne die Fähre lahmgelegt, weil sich ihre Boote in dem Seil verhedderten, sagt Stadtwerke-Sprecher Stefan Klotz.

Wassertourismus stört den Schiffsverkehr

Gut beschäftigt wird die Wasserschutzpolizei durch die vielen Flöße und Wassersportler auf der Havel. Beispielsweise ist das Stand-up-Paddling auf einem Surfbrett eine beliebte Freizeitbeschäftigung. Der Ausbau des Wassertourismus beeinflusse zunehmend das Verkehrsaufkommen im Schiffsverkehr, so Pötschke. Dies zeigten die seit Jahren kontinuierlich steigenden Schleusendurchlaufzahlen.

Laut Angaben des Wasser- und Schifffahrtsamtes Brandenburg stieg im vergangenen Jahr die Zahl der Durchfahrten von Berufsschiffern an der Schleuse in Kleinmachnow (Potsdam-Mittelmark) auf 3613 – fast 500 mehr als noch 2013. Noch größer ist der Anstieg bei den Sport- und Freizeitbooten: 7663 Durchfahrten wurden 2015 registriert, gut 850 mehr als noch vor drei Jahren. Als Folge des Gedränges steigen auch die Unfallzahlen.

Unfälle gehen glimpflich aus

Immerhin: Zumeist gehen die Unfälle glimpflich aus. Boote fahren sich außerhalb der Fahrrinne fest oder verheddern sich in Fischreusen. Immer wieder gibt es aber auch Kollisionen mit anderen Booten, bei denen zumindest ein Sachschaden entsteht. Daran beteiligt seien zwar auch führerscheinfreie Sportmotorboote, den weitaus größeren Anteil an den Schiffsunfällen hätten jedoch Freizeitkapitäne, die etwa seit längerer Zeit nicht mehr mit einem Sportboot am Schiffsverkehr teilgenommen hätten, hieß es. Zunehmend mehr Bootsführer seien ungeübt oder gar unkundig im Umgang mit dem Fahrzeug und den Verkehrsvorschriften sowie den nautischen Bedingungen.

Wasserschutzpolizist Pötschke sieht hier die Wassertouristen selbst sowie Floßvermieter wie die Firma Diki Tours in der Pflicht, die auch eine Floß-Station in Potsdam betreibt. Diese seien für eine genügende Sachkunde und Routine der Fahrer verantwortlich. Er rief zugleich die Bootsführer dazu auf, mehr Rücksicht zu nehmen und vorausschauend zu fahren. Eine Beeinträchtigung der Sicherheit sei durch den Ausbau des Wassertourismus aber nicht festzustellen, so Pötschke. Wesentlich kritischer sieht Weiße- Flotte-Chef Jan Lehmann die Entwicklung. Vor allem die Zahl der kleinen Flöße habe überhandgenommen, sagt er. „Die haben keine Ahnung von den Regeln.“

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