Berlin : Wedding: Kiez will aufs Schwimmen nicht verzichten

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Die angekündigte Nicht-Eröffnung des Sommerbades Humboldthain stößt auf Proteste von Bewohnern und Bezirkspolitikern. Der Stadtteilverein Brunnenviertel hat eine Unterschriftenaktion gestartet - mindestens 450 Bürger haben unterschrieben. Sportstadtrat Horst Porath (SPD) verlangt in einem Brief an die Berliner Bäderbetriebe (BBB), dass die Entscheidung zurückgenommen wird. Die BBB kämen ihrem Auftrag nicht nach, die Wohngegend ausreichend mit Badeangeboten zu versorgen, kritisierte er.

Den Bäderbetrieben zufolge gibt es eine Chance, das Bad in dieser Saison doch noch zu öffnen. Man suche weiterhin Interessenten, die den Betrieb im Gegenzug für einen Pachtvertrag oder Werbeflächen finanziell unterstützen, sagte der Bäder-Vorstandschef Klaus Lipinsky. Es liefen Verhandlungen mit mehreren Firmen. In Sachen Schließung sei "das letzte Wort noch nicht gesprochen", sagte BBB-Sprecher Manfred Radermacher. Bei den letzten Privatisierungsversuchen hatten die BBB allerdings wenig Erfolg.

Die Schließung des Bades treffe vor allem die Kinder aus dem sozial schwachen Kiez hart, sagte Hella Weingart vom Stadtteilmanagement Brunnenviertel. Ihre Eltern hätten erfahrungsgemäß oft kein Auto, und nähmen sich auch so nicht die Zeit, mit ihnen Ausflüge zu machen. Die Entscheidung der BBB konterkariere das Engagement der Stadtteilmanager. Diese versuchen das Brunnenviertel attraktiver zu machen. Sie arbeiten ähnlich wie die vom Senat eingesetzten Quartiersmanager, werden aber von der Wohnungsgesellschaft Degewo bezahlt.

Laut BBB ist das Humboldthainer Bad unrentabel. Im Jahr 2000 habe man bei rund 56 000 Gästen 750 000 Mark Verlust gemacht. Es für die Saison herzurichten, würde allein 250 000 Mark kosten. Mit dem Kombibad Seestraße und dem Freibad Plötzensee gebe es außerdem genügend Alternativen in der Nähe, sagte der BBB-Vorstandsvorsitzende Klaus Lipinsky.

Die Schließung ist Teil eines Sparpakets. Drei Freibäder sollen in diesem Jahr nicht öffnen, neben Humboldthain das in Friedrichshagen und das Marzahner Kinderbad Platsch. Zudem haben die BBB keine Saisonkräfte eingestellt. Öffnungszeiten wurden verkürzt, fünf Bäder werden von Auszubildenden betrieben. Zuvor hatte das Land den BBB den Zuschuss um 7,5 Millionen Mark auf 83,5 Millionen Mark gekürzt.

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