Wedding : Kokelei des Bruders löste tödliches Feuer aus

Bei dem Unglück in Wedding starb am Sonntag ein einjähriges Mädchen. Gestern warnte die Feuerwehr vor Brandrisiken zur Weihnachtszeit.

Tanja Buntrock

Das Spiel mit dem Feuer endete tödlich: Einen Tag nach dem Wohnungsbrand in Wedding, bei dem ein einjähriges Mädchen ums Leben kam, ist nun klar: Einer der älteren Brüder hatte im Kinderzimmer gekokelt. Dabei fing eine Matratze Feuer. Die Flammen breiteten sich in der Wohnung der Familie mit sieben Kindern rasend schnell aus – das Kleinkind erstickte an dem Rauchgas.

Die sechs weiteren Kinder der Familie im Alter zwischen 2 und 16 Jahren sowie die 34-jährige Mutter und ihr 28 Jahre alter Lebensgefährte konnten nach dem Verdacht auf Rauchgasvergiftung gestern das Krankenhaus wieder verlassen. „Die Kinder sind bei den Großeltern und dem leiblichen Vater untergekommen. Die Mutter und ihr Lebensgefährte wohnen vorübergehend bei Nachbarn“, sagte ein Mitarbeiter des Jugendamtes. Das Amt betreut die Familie bereits seit mehreren Jahren. Zwei Sozialarbeiter kümmern sich um die Kinder. Eines von ihnen, „das besonderer Betreuung bedurfte“, wurde früher bereits einmal aus der Familie genommen und sollte in einer Hilfseinrichtung untergebracht werden. „Doch das Gericht entschied dagegen“, sagte der Jugendamtsmitarbeiter. Ob es sich dabei um den Jungen handelte, der nun gestand, am Sonntag gekokelt zu haben, konnte er nicht sagen.

Den verheerenden Brand am Sonntag nahm auch die Feuerwehr gestern am Alexanderplatz zum Anlass, bei ihrer alljährlichen Präventionsveranstaltung zur Adventszeit auf die tödlichen Gefahren des Feuers hinzuweisen. 31 Menschen sind bislang in diesem Jahr bei Bränden ums Leben gekommen. Im Jahr 2006 waren es 28 Opfer. Fast ausnahmslos starben diese – wie auch das Kleinkind aus Wedding – am giftigen Rauchgas, das sich innerhalb weniger Sekunden bei einem Feuer bildet. „Schon zwei Atemzüge können tödlich sein“, sagte Feuerwehrsprecher Stephan Fleischer. Deshalb weisen die Retter unermüdlich darauf hin, dass Rauchmelder in den Zimmern Leben retten können. Ein solches Alarmgerät, das bereits für knapp zehn Euro im Baumarkt erhältlich ist, soll in der Wohnung der Weddinger Familie nicht installiert gewesen sein.

In Minutenschnelle kann ein brennender Adventskranz ein ganzes Zimmer in Flammen aufgehen lassen – was die Feuerwehr den Passanten gestern am Alexanderplatz sehr anschaulich demonstrierte: Dort hatten die Retter ein typisches Wohnzimmer in einem Container aufgestellt. Nur wenige Sekunden dauerte es, bis die Kerzen des Adventskranzes die Bücher, die zu nah an den Flammen standen, in Brand setzten. Sie fraßen sich über die Tischdecke, die Gardinen und die Couch quer durch das restliche Mobiliar. Nach nur drei Minuten stand der gesamte Container in Flammen.

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