Berlin : Weil es zu Hause an vielem fehlt

Das Café „Die Insel“ kümmert sich um Jugendliche und braucht dringend Geld für Essen und Bücher

Christian Tretbar

So viele Bewerbungen gab es für unsere Weihnachtsspendenaktion noch nie: Mehr als 160 Mappen von sozialen Vereinen sind eingegangen. Der Spendenverein hat alle sorgsam gesichtet und geprüft. Wegen der großen Nachfrage werden wir in diesem Jahr noch mehr Projekte bedenken. Bis Weihnachten stellen wir die ausgewählten alle zwei Tage vor – und bitten Sie, liebe Leser, um Spenden. Heute: Das Jugendcafé „Die Insel“.

Noch hängt die alte Blümchentapete. Gelb, vergilbt und in Fetzen. Für manchen Retrofan vielleicht ein Augenschmaus, die Jugendlichen im Café „Die Insel“ haben aber nie großen Gefallen an dem Relikt aus alter Zeit gefunden. Derzeit sind die Räumlichkeiten in der Richard-Sorge-Straße 69 noch fest im Griff der Handwerker. Bis Februar wird noch gebaut, aber dann sollen jede Woche 30 bis 50 Jugendliche den neuen Club der Johanniter Unfallhilfe mit Leben füllen. „Und die werden auch in die letzten Renovierungsarbeiten eingebunden und können sich die Wände so gestalten, wie sie wollen“, sagt Isabella Busch. Sie ist Diplom-Sozialpädagogin und für „Die Insel“ zuständig.

Der Name ist bewusst gewählt, denn das Café soll vor allem für Jugendliche aus sozial schwachen Familien eine Anlaufstelle sein. „Hier können sie sich treffen, Billard spielen oder Musik hören“, sagt die Sozialpädagogin. Aber es gibt auch die Möglichkeit, hier in Ruhe und mit der Unterstützung von Isabella Busch Hausaufgaben zu erledigen. „Manche Kinder haben fünf Geschwister und zu Hause einfach keinen Platz, um konzentriert Hausaufgaben machen zu können“, sagt Busch. Das Angebot richtet sich aber nicht nur an Jugendliche, deren Familien unterhalb der Armutsgrenze leben. Im Gegenteil, sagt Busch: „Eine Vermischung wäre sehr sinnvoll.“

Nur ein paar Straßen weiter unterhält die Johanniter Unfallhilfe ein weiteres Projekt: die „Arche“. Dort kümmern sich die Verantwortlichen allerdings nur um Kinder bis 13 Jahren. „Es ist aber auch wichtig, etwas für Ältere anzubieten – und die wollen nun mal nicht nur basteln“, sagt die Sozialarbeiterin. Deshalb steht in der „Insel“ einiges mehr auf dem Programm: Außer Musik hören und Kicker spielen können die Jugendlichen auch Bewerbungsunterlagen am Computer erstellen und Berufsberatung in Anspruch nehmen. „Oder einfach im geschützten Raum diskutieren“, sagt Busch. Außerdem werden Wochenendfreizeiten, Filmabende und Jugenddiscos veranstaltet. Die Nachbarn müssen sich deshalb nicht sorgen: „Es wird nicht später als 22 Uhr“, verspricht Busch.

Für die Johanniter geht es aber auch um religiösen Austausch. So kann, wer will, auch Jugendgottesdienste organisieren. „Wir sind aber offen für jeden, egal ob Christ oder nicht“, so Busch. Viel wichtiger ist es den Johannitern, im Café etwas für die Chancengleichheit zu tun. „Immer noch ist es so, dass Kinder aus sozial schwachen Familien weniger Bildungschancen haben – auch weil die Rahmenbedingungen zu Hause nicht stimmen.“ Oftmals bekämen Jugendliche daheim nicht einmal ein warmes Essen. Deshalb soll es genau wie bei der „Arche“ auch im Jugendcafé eine kostenlose warme Mahlzeit geben. „Dafür fehlt uns aber leider das Geld, und deshalb sind wir auf die Spenden aus der Tagesspiegel-Aktion angewiesen“, sagt Angelika Steckler-Meltendorf vom Regionalvorstand der Johanniter Unfallhilfe. Außerdem soll mit den Tagesspiegel-Spenden auch eine kleine Bibliothek bezahlt werden. „Für eine gute Hausaufgabenbetreuung ist es sehr wichtig, dass wir auch auf eigene Fachliteratur zurückgreifen können“, sagt Steckler-Meltendorf.

Das Café wird an den Wochentagen von 14 Uhr bis 21 Uhr geöffnet sein – und zur Not auch länger. „Da sind wir flexibel“, sagt Busch. Am 1. Februar geht es los. Bis dahin ist auch die Blümchentapete Vergangenheit.

Das Spendenkonto: Spendenaktion Der Tagesspiegel e. V., Verwendungszweck: „Menschen helfen!“, Berliner Sparkasse, Ktnr. 25 00 30 942, BLZ 100 500 00. Onlinebanking ist möglich. Notieren Sie Namen und Anschrift für den Spendenbeleg. Internet: www.tagesspiegel.de/spendenaktion.

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