Berlin : Weiße Bären muss man küssen

Tom Cruise in Berlin: Abends „Collateral“-Premiere im Sony-Center, zuvor Empfang im Roten Rathaus

Andreas Conrad

Unterm Zeltdach des Sony-Centers ist Fassadenkletterei verboten. Pferde darf man auch nicht unterstellen. Und das Parken von Autos ist bei Androhung kostenpflichtigen Abschleppens untersagt. Naht aber eine Filmpremiere, sind die Regeln außer Kraft. Dann klebt Spider-Man überm Eingang des Cinestar, das Trojanische Pferd wirbt für den gleichnamigen Krieg, und ein Taxi aus Los Angeles dreht sich tagelang mit leuchtenden Scheinwerfern über dem Center-Brunnens.

Gestern erfüllte das zum Parkhaus mutierte Zelt wieder seinen schönsten Zweck: Premiere! Roter Teppich! Scheinwerfer! Viele Stars und noch mehr Sternchen! Autogramme! Und mitten drin das Taxi, neben Tom Cruise und Jamie Foxx der dritte Star in „Collateral“, dem Film von Michael Mann. Ein dort gewohntes Bild, nur lockt einer wie Cruise eben die Schaulustigen besonders zahlreich an und weit früher als üblich. Hatte der Mann aus Hollywood doch durchsickern lassen, er wolle schon um 18 Uhr mit dem Parcours beginnen. Hat er auch getan. Und zweieinhalb Stunden damit verbracht, zu schreiben, zu strahlen, und vor den Fotoapparaten seiner Fans zu posieren, während die heimischen Stars, Leute wie Frank Zander, Oliver Kalkhofe oder Götz Otto, an ihm vorbeihuschten.

Jamie Foxx war anders als angekündigt doch nicht gekommen, so saßen am Nachmittag nur Michael Mann, Tom Cruise und Jada Pinkett Smith auf dem Podium der Pressekonferenz, umgeben von der hölzernen Pracht des Meistersaals in der Köthener Straße. Anfangs mehr eine Plauderei unter den dreien, die ganz gut ohne Fragen auszukommen schienen. Die Story um den unbedarften Taxifahrer Max, der plötzlich einen Serienkiller durch die nächtliche Stadt kutschieren muss, sei ursprünglich in New York angesiedelt gewesen, berichtete der Regisseur. Er habe sie dann nach Los Angeles verlegen lassen, in diese „magische Stadt“, die zu der Geschichte viel besser passte. In L.A. kennt Mann sich auch besonders gut aus. Er habe ihn zu Orten gebracht, von denen er noch nie gehört hatte, erzählte Tom Cruise, ausgesprochen gut gelaunt, immer zu einer kollegialen Flaxerei, einem jungenhaften Lachen aufgelegt und selbst gegen besonders penetrante Journalistinnen von geduldiger Freundlichkeit.

Obligatorisch natürlich die Frage, wieso Cruise mit dem Auftragsmörder eine Rolle ganz gegen sein Image gewählt hat, einen skrupellosen Nihilisten, die dunkle Seite des Menschen. Böse oder gut – für Cruise war das eine sekundäre Frage. „Ich war besonders interessiert an der Story.“ Und Vincent, der Mörder, bedeutete eben eine Herausforderung für ihn als Schauspieler. Ob er sich an die grauen Haare gewöhnen konnte? „Ich muss mich daran gewöhnen. So ist das Leben.“

Noch vor der Pressekonferenz war Cruise zu Gast beim Regierenden Bürgermeister und hatte sich im Roten Rathaus ins Gästebuch der Stadt eingetragen. Dafür hatte er – wie auch Harrison Ford im Jahr zuvor – einen weißen Porzellanbären geschenkt bekommen. Wowereit versprach, dass Berlin Cruise nicht nur einen roten, sondern auch einen goldenen Teppich ausrollen würde – und meinte damit die verschobenen, aber nicht aufgehobenen Dreharbeiten zu „Mission Impossible 3“. Nachdem für das Projekt ein neuer Regisseur gefunden wurde, sieht es wieder gut aus. Tom Cruise ließ auf der Pressekonferenz keinen Zweifel übrig: „Ich will den Film unbedingt hier drehen – most definitely.“

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