Berlin : Weiße Bären muss man küssen

Tom Cruise in Berlin: Erst Empfang im Roten Rathaus, dann Filmpremiere im Sony-Center

Andreas Conrad

Unterm Zeltdach des Sony-Centers ist Fassadenkletterei streng verboten. Pferde darf man dort nicht unterstellen. Und auch das Parken von Autos ist bei Androhung kostenpflichtigen Abschleppens untersagt. Naht allerdings, wie dort so oft, eine Filmpremiere, sind diese Regeln außer Kraft. Dann klebt Spider-Man für Wochen über dem Eingang des Cinestar, das Trojanische Pferd macht Reklame für den gleichnamigen Krieg und ein zerbeultes Taxi aus Los Angeles dreht sich tagelang mit blinkenden Scheinwerfern über der Wasserfläche des Center-Brunnens.

Zu cineastischen Taxigeschichten hat das Kino eine besondere Beziehung: Der rote Teppich im Foyer ist mit Dialogteilen aus Martin Scorseses legendärem „Taxi Driver“ bedruckt. Gestern Abend stand dort der neueste Taxi-Streifen vor der Premiere, der zwar, bei allen unleugbaren Thriller-Qualitäten, kaum das Potenzial zu einem Kultfilm hat, aber man weiß ja nie. Auf jeden Fall ist der unter der Regie von Michael Mann gedrehte Film „Collateral“ mit Tom Cruise hochkarätig besetzt. Ein Gewinn auch für Berlin, denn Cruise lässt ja mittlerweile, so hat man den Eindruck, kaum mehr eine Gelegenheit zum Besuch an der Spree aus.

Da musste endlich auch die Politik reagieren, und so stand gestern am frühen Nachmittag ein Besuch im Roten Rathaus auf dem Programm des Stars aus Hollywood. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit, der sich unter Mitgliedern der Glamour-Society bekanntlich besonders wohl fühlt und dann gern rühmt, wie natürlich, überhaupt nicht eitel etc. die großen Stars seien, hatte zur Plauderei gebeten und ließ anschließend Cruise unter den Augen der Öffentlichkeit seinem Namen ins Gästebuch der Stadt Berlin setzen. Die gleiche Ehre war exakt ein Jahr zuvor Harrison Ford zuteil geworden, der wie Kollege Cruise das Berliner Wappentier in Porzellanausführung als Geschenk erhielt. Allerdings war Cruise der eindeutig bessere Bären- Küsser. Anschließend ging es in den Meistersaal in der Köthener Straße: Michael Mann, Tom Cruise und Jada Pinkett Smith, im Film Staatsanwältin auf den Fersen der Drogen-Mafia und fünftes Opfer auf der Liste des fleißigen Auftragskillers Vincent, gespielt vonTom Cruise.

Dieser ist übrigens wieder auf Freiersfüßen oder doch fast. Bei seinem ersten Berlin-Besuch im Jahr 2002 zur Premiere von „Vanilla Sky“ stand noch Penelope Cruz an seiner Seite, auf der Leinwand und auch so. Das ist wie die Ehe mit Nicole Kidman Schnee von gestern, aber mittlerweile, so hat er der „Bunten“ anvertraut, hat er wieder Rendevous mit Frauen und hofft auf eine weitere Ehe. Die Zukünftige „muss ehrlich sein. Sie muss jemand sein, dem ich voll vertrauen kann. Und sie muss Sinn für Humor haben und Spaß an Abenteuern“. Ein Auge auf Jada Pinkett Smith zu werfen wäre da aber nicht ratsam. Die ist ja schon mit Will Smith verheiratet, einem besonders häuslichen Mann, der sich gerne schon mal als „Soldier for my Family“ bezeichnet.

Um 20 Uhr sollte der Film am Mittwochabend starten, Cruise wollte, so hieß es im Vorfeld, schon gegen 18 Uhr kommen, um die zahllosen Autogrammwünsche befriedigen zu können. Darin ist er beispielhaft, steht Stunden an der Absperrung und charmiert mit dem Publikum. Nach der Gala im Sony-Center stand dann Party auf dem Programm. Eingeladen hatte man ins Wasserwerk am Hohenzollerndamm.

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