Weißensee : Stadtplanung auf dem Stundenplan

Schüler in Weißensee machen Vorschläge für einen kinderfreundlichen Kiez. Stadtplaner wollen ihre Verbesserungsvorschläge nun prüfen.

Werner Kurzlechner
277025_3_xio-fcmsimage-20090518221437-006001-4a11c1ad3f5af.heprodimagesfotos83120090519levi627.jpg Foto: Doris Spiekermann-Klaas
Kiez-Inspekteure. Schüler der Primo-Levi-Schule sahen sich in Weißensee um. -Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Ein schmieriger Schmutzfilm bedeckt das Wasser des Kreuzpfuhls in Weißensee. Die Neuntklässlerinnen des Primo-Levi- Gymnasiums haben mit ihrer Kamera nah herangezoomt, um das festzuhalten. Im Sommer sei der Kreuzpfuhl völlig vermüllt. Sogar Fahrräder und Einkaufswagen würden dort versenkt, berichten die Mädchen.

Die Klassen 5 a und 9 a ziehen an diesem Vormittag in kleinen Gruppen durchs Viertel um ihre Schule und dokumentieren Orte, die ihnen abstoßend oder missraten erscheinen – und solche, die sie vorbildlich finden. Stadtplaner der Technischen Universität (TU) haben die Streifzüge begleitet, denn sie sind Teil eines in Berlin bislang einmaligen Modellprojekts namens „Spielleitplanung“. Die Idee dahinter ist, in der Stadtentwicklung auch Rücksicht auf die Meinung von Kindern und Jugendlichen zu nehmen – und das nicht nur, wenn es um die Gestaltung von Spielplätzen geht. An der TU forscht darüber in diesem Semester eine Gruppe um den Dozenten Jan Abt, mit Pankow kam Ende vergangenen Jahres eine Zusammenarbeit zustande. In diesen Wochen kommen die Kinder tatsächlich zu Wort – neben den Gymnasiasten von der Pistoriusstraße auch noch Hauptschüler der Heinz-Brandt- Oberschule sowie Besucher von Freizeitstätten für Kinder und Jugendliche.

Die Primo-Levi-Schüler stören sich vor allem an herumliegendem Müll und verfallenden Bauruinen wie etwa dem einstigen Kinderkrankenhaus an der Hansastraße. „Der Sinn für Ordnung und Sauberkeit ist bei Kindern besonders ausgeprägt – ähnlich wie bei Senioren“, sagt Jan Abt von der TU.

Beim Rundgang um den Weißen See finden fünf Jungen aus der Neunten dagegen fast alles „recht cool“: den Spielplatz nahe der Berliner Allee; die „Plantsche“ auf der anderen Uferseite, wo ein Walross und eine Robbe aus Stein im Sommer Wasser spucken; die „Strandbar“ mit ihrer von Graffitikünstlern besprühten Rückwand. Der Zebrastreifen auf der Parkstraße vor der Grundschule sei hingegen wenig hilfreich, meint Mark: „Ich bin dort schon zweimal beinahe überfahren worden.“ Er empfiehlt dringend eine Ampel, damit die Autofahrer wirklich bremsen. Die Fünftklässler wiederum fühlen sich durch die schnelle Taktung der Signalanlagen an der vielbefahrenen Berliner Allee unter Druck gesetzt.

Neuntklässler Max freut sich über den mit Sitzbänken und Springbrunnen neugestalteten Park gegenüber dem Antonplatz: „Die Atmosphäre dort ist prima.“ Besonders „doof“ findet er – wie viele Mitschüler – den von Autos zugeparkten Pistoriusplatz. „Da ist Potenzial verschenkt“, meint Max. Die Schüler regen an, den Platz zu begrünen.

Jan Abt und sein Team bündeln jetzt die Anregungen der Schüler. Die Ergebnisse sollen nach einem Beschluss der Bezirksverordnetenversammlung „für die weitere Qualizierung zu einem kinder- und familienfreundlichen Bezirk“ genutzt werden.Werner Kurzlechner

Eine öffentliche Diskussion der ersten Ergebnisse der Spielleitplanung findet am Dienstag, 19. Mai, ab 17 Uhr in der Heinz-Brandt-Oberschule, Langhansstraße 120, statt.

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