Berlin : Wen will die Fraktion? Zimmer oder Kurth

Kampfabstimmung: Die CDU-Abgeordneten entscheiden am Freitag über Steffels Nachfolger

Werner van Bebber

Keine zwei Tage hat Nicolas Zimmer gebraucht, um sich die Nachfolge Frank Steffels in der CDU-Fraktion zuzutrauen. Genau so schnell hat sich Peter Kurth entschieden. Am Freitag treten beide gegeneinander an. Täglich ändert sich die Lage in der Berliner CDU, so hielt sich Kurth gestern auch wieder die Kandidatur für den Landesvorsitz seiner Partei offen. Und deshalb halten in diesen Tagen alle alles für möglich – einen neuen Konsens über Arbeitsteilung ebenso wie den offenen Streit über die beiden wichtigsten Ämter, die die CDU zu vergeben hat.

Die Partei diskutiert drei Szenarien. Im ersten wird Nicolas Zimmer neuer Fraktionschef und Joachim Zeller neuer Landeschef. Das ist das Integrationsmodell. Dieter Hapel zum Beispiel, Kreisvorsitzender in Tempelhof-Schöneberg, sagt über die beiden Leitfiguren des Modells, Zeller könne die Partei nach allem Streit „integrieren“ und im Osten neue Anhänger gewinnen. Zimmer sei fähig „ Lagerdenken zu überwinden“. Letzteres halten alle für nötig.

Das zweite Szenario – Fraktionschef Zimmer neben Landeschef Kurth – wird ebenfalls für seine einende Wirkung gelobt. Hier geht die Kraft zur Versöhnung arbeitsteilig von Zimmer und Kurth aus. Zimmer versöhnt die Fraktion, die aus Steffel-Anhängern und Steffel-Gegnern besteht, mit sich selbst. Das kann er kraft seiner Verdienste um die Alltagsarbeit, die Finanzpolitik, die Aufklärung der Bankenaffäre. Und kraft seines freundlich-verbindlichen Wesens. Kurth wiederum reißt die Partei aus ihrer Nach-Stölzlschen Mattigkeit, denn er hat ein paar gute Ideen, etwas Phantasie und die Fähigkeit, über die Stadtgrenzen hinaus zu gucken. Allen wäre gedient. Wer dieses Szenario ausmalt, lobt an Zimmer, dass er kein Steffel-Mann war - und lobt an Kurth, dass er zu einer „Teamlösung“ beitragen könne.

Szenario Nummer drei sieht Peter Kurth auf dem großen Sprung nach vorn: Nach einiger Überlegung hat er versprochen, gegen Joachim Zeller anzutreten. Als Frank Steffel der Entwicklung durch seinen Rücktritt eine überraschende Wende und ein fast thrillerhaftes Tempo gab, hat sich Kurth ein Herz gefasst. Nun hofft er, den Strom der Sympathie nutzen zu können, der ihn seit langem trägt – und konfrontiert die Fraktion mit einem Kandidaten, der fast nichts mit Steffel gemein hat. Auch dieses Szenario hat Befürworter – nicht die Unerfahrensten in der Berliner CDU. Vor allem sind es diejenigen, die letztes Jahr bemerkten, die Partei mache keinerlei Fortschritte. Es sind die, die aus Stölzls Rücktritt nun verbindliche Schlüsse ziehen wollen.

Wolfgang Branoner, CDU-Kreischef in Neukölln, hält viel von Nicolas Zimmer, aber noch mehr von Peter Kurth. Branoner fände es am besten, wenn die Fraktion sich Zeit zur Abkühlung ließe. Wenn sie wählen wolle, sei zu bedenken, dass Kurth erfahrener sei, dass er sich in Wirtschaft und Politik auskenne und nicht zuletzt, dass er „gute Kontakte in die Bundespolitik“ habe. Das Modell Merkel funktioniert jedenfalls.

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