Berlin : Weniger Fahrbahn zum Schutz der U-Bahn

Die Bülowstraße verliert eine Spur, um Spritzwasser von den Sandsteinpfeilern abzuhalten

Klaus Kurpjuweit

Das hat es selbst in Berlin wohl noch nicht gegeben. Um die Sandsteinpfeiler der Hochbahn am U-Bahnhof Bülowstraße besser vor schädigendem Spritzwasser des Autoverkehrs zu schützen, verliert die jetzt vierspurige Bülowstraße in Schöneberg einen Fahrstreifen je Richtung. Zusätzlich gibt es eine Busspur, so dass dann für den Autoverkehr nur noch zwei Spuren bleiben. Staus befürchten dadurch weder das Bezirksamt noch der ADAC. Die Arbeiten sollen noch in diesem Monat beginnen.

Die Radikallösung hat sich nach Angaben von Rainer Lembke, dem Leiter des Tiefbauamts Tempelhof-Schöneberg, ganz langsam entwickelt. Erst habe man lediglich geplant, auf der Bülowstraße, die Kreuzberg über Schöneberg mit Charlottenburg verbindet, einen Fahrradstreifen zu markieren. Dann habe die BVG zunächst eine Extraspur für ihre Busse gewünscht , und am Ende wollten die U-Bahner auch noch ihre Sandsteinpfeiler besser schützen. Ein Pfeiler ist seit Jahren bereits provisorisch abgestützt und wird nun auch saniert.

Die Mittelpromenade wird auf beiden Seiten um jeweils zwei Meter verbreitert. Dadurch geht jeweils eine Fahrspur verloren. Die mächtigen Pfeiler der Hochbahn stehen dann etwa drei Meter entfernt vom Autoverkehr. Bepflanzt wird der zusätzliche Platz auf dem Mittelstreifen nach Lembkes Angaben nicht.

Die Bülowstraße wird dann vom Nollendorfplatz bis zum Dennewitzplatz durchgängig zwei Fahrspuren für Autos sowie eine Busspur erhalten. Nach Ansicht von Jörg Becker vom ADAC reicht dies auch aus. Die Kapazität des gesamten Straßenzuges werde durch den zweispurigen Engpass unter den Bahnbrücken der Yorckstraße bestimmt. Die Aufweitung der Bülowstraße auf dann vier Spuren sei deshalb überdimensioniert. Und bei Fahrten vom Nollendorfplatz Richtung Osten biege ein großer Teil der Autofahrer auf die Potsdamer Straße ein.

Die Verbreiterung des Mittelstreifens kostet etwa 150 000 Euro. Die BVG beteiligt sich an der Finanzierung. Das Geld will sie sich bei der gleichzeitig stattfindenden Sanierung am U-Bahnhof Wittenbergplatz beschaffen. Die Bauplane dort soll als Werbefläche genutzt werden. So finanzierte die BVG zum 100. Bestehen der U-Bahn vor zwei Jahren auch den Neubau der Bahnhofskuppel an der Station Nollendorfplatz.

1902: Der U-Bahnhof Bülowstraße war einer der prächtigsten an der ersten U-Bahn-Strecke Berlins. Eröffnet wurde er am 11. März 1902. Der Architekt Bruno Möhring hatte den Jugendstilbau mit Sandsteinpylonen, Ziergiebeln und Schmuckportalen sowie mit einer triumphbogenähnlichen Vorhalle ausgestattet.

1929: Wegen des steigenden Verkehrs war der Bahnhof bald zu klein. Um längere Züge einsetzen zu können, wurden die Bahnsteige verlängert und ein weiterer Zugang gebaut. Vorbei mit der Pracht war es 1944. Durch den Luftdruck einer Bombe wurde der Bahnhof stark beschädigt.

1993: Im Bahnhof hielten am 13. November zum ersten Mal seit 1972 wieder U-Bahnen. Damals war der Betrieb eingestellt worden, weil die Strecke an der Mauer endete. Vorübergehend fuhr eine Straßenbahn auf den Gleisen der U-Bahn. Im Bahnhof gab es einen Türkischen Basar.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben