Berlin : Wenn die Kreisel über den Boden flitzen

Spiel mit Diplomaten: Beim All Nations Festival laden viele Botschaften zur Weltreise ein.

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Wenn das Gurrufio kreist. Laura Medina und Arline de Morillo Zwick (re.). F.: Rückeis
Wenn das Gurrufio kreist. Laura Medina und Arline de Morillo Zwick (re.). F.: Rückeis

Spannen, loslassen, wieder spannen. In der Mitte der Schnüre wirbelt die bunte Holzscheibe umher. Laura Medina lacht. Das kleine Spielzeug geht ganz schön auf die Arme. Sie ist Geschäftsträgerin der Botschaft von Venezuela – und für ein paar Augenblicke noch einmal Kind.

Solch ein Gurrufio, ein traditionelles Spielzeug aus Medinas südamerikanischer Heimat, können Kinder an diesem Sonnabend in der venezolanischen Vertretung in der Tiergartener Schillstraße selbst basteln. Dann ist wieder All Nations Festival. 23 Botschaften und Kulturinstitute öffnen zum zwölften Mal ihre Türen zur alljährlichen Weltreise durch Berlin. Für traditionelle Tänze, landestypisches Essen, touristische Höhepunkte und einen Plausch mit Diplomaten.

In diesem Jahr sind die Kinder dran. Die müssen nicht irgendwelchen Vorträgen lauschen, sondern können tun, was sie am liebsten machen: basteln, toben, spielen. Ganz nach dem Motto: „Alles ein Kinderspiel“.

In Venezuela basteln sie mit Künstlerin Arline Morillo de Zwick Gurrufios und bunte Kreisel aus Holz. Animierte Filme führen die Kleinen spielerisch an die spanische Sprache heran und zeigen, wo Kakao herkommt und wie das Maisfladenbrot Arepa hergestellt wird. „Wir versuchen, Traditionen zu erhalten“, sagt Laura Medina. Diese können die Berliner nun kennenlernen. Politik aber ist kein Thema, vielmehr die tolle Natur des an der Karibikküste gelegenen Staates. Beispielsweise wo der Salto Ángel fast 1000 Meter in die Tiefe stürzt, der höchste frei fallende Wasserfall der Welt.

Wenn die Kinder in Venezuela fertig gespielt haben, greifen sie in Malaysia zum Brettspiel „Congcak“. Oder in Mexiko zu „Culebra“, ein dem Schlangengott geweihtes Spiel, bei dem sie die gegnerischen Spielsteine aus dem Weg räumen müssen. Auf den Philippinen müssen sie ihre Geschicklichkeit unter Beweis stellen und bei „Sipa“ einen Rattanball nur mit Knien und Füßen in der Luft halten.

„Kinder und Erwachsene sollen die Spiele aus allen Ländern angucken, miteinander vergleichen und deren Hintergründe kennenlernen“, sagt Carsten Diercks von der Berliner Gesellschaft für Begegnung, die das Festival organisiert. Und wer sich zu Hause nicht immer nur mit „Mensch ärgere dich nicht“ oder „Siedler von Catan“ vergnügen möchte, kann sich am Stand der SOS-Kinderdörfer in der philippinischen Botschaft fremde Spiele kaufen.

Doch manches exotische Kindervergnügen ist in Berlin nicht möglich. „In Lesotho flechten die Kinder Gras zu Springseilen“, sagt Ruth-Louise Zehetner von der Botschaft Lesothos. „Das Gras in Deutschland ist dafür nicht fest genug.“

Spiele sind natürlich nicht alles. Im Chinesischen Kulturzentrum lernen die Besucher die ersten der unzähligen Buchstaben des chinesischen Alphabets. Andere Länder widmen sich ernsten Themen: In Afghanistan informiert die Ausstellung „Türme des Wissens“ über das vom Terror gebeutelte Land. Burkina Faso klärt über die Genitalverstümmelung auf. Es gibt aber auch Infos zum Operndorf des verstorbenen Regisseurs Christoph Schlingensief.  Christoph Spangenberg

All Nations Festival, heute, 11-18 Uhr. Der Festivalpass – gratis, auf 15 000 Stück limitiert – dient als Ticket. Es gibt ihn in den Tourist Infos am Hauptbahnhof, Neuen Kranzler Eck und Brandenburger Tor und bei den 23 Botschaften und Institutionen. Die Besucher sollten einen echten Ausweis mitnehmen. Makedonien und Panama, noch im Programm, haben abgesagt. Infos: www.allnationsfestival.de.

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