Berlin : Wenn die Räder still stehen

Die Bahn AG hat die Fahrradstation aus dem Bahnhof Friedrichstraße rausgeklagt. Bangen um die Zukunft

Ariane Bemmer

Die eine Seite spricht von ausstehenden Mietzahlungen, die andere von einem nicht nutzbaren Raum. Gestern hat das Gericht entschieden, und Wolfgang Hoelzner, der Chef der Fahrradstation im Bahnhof Friedrichstraße, hat gestern vor dem Landgericht die Räumungsklage verloren, nachdem die Bahn ihm die Räume gekündigt hatte.

Von der Fahrradstation, in der Räder sowohl vermietet als auch verkauft werden, wolle man nun, dass sie schnell auszieht, sagt Hoelzner: „Aber wir können uns doch nicht in Luft auflösen.“ Für ihn ist völlig klar, dass die Bahn die Räume, die er mit seinem Geschäft „trocken gewohnt“ hat, für ihre eigenen Fahrradverleihfirma „Call a Bike“ nutzen will.

Bahn-Sprecher Holger Auferkamp bestätigt lediglich, dass man das „ Konzept Fahrradstation im Bahnhof“ beibehalten wolle: „Wir werden einen neuen Partner suchen.“ Er sagt, dass es „viele offene Posten“ mit der Fahrradstation gegeben habe.

Die Fahrradstation belegt seit 1999 einen 35 Quadratmeter großen Raum im hinteren Teil des Bahnhofs. Ursprünglich hat Hoelzner noch einen zweiten Raum dazugemietet, den aber nie genutzt, weil er ihm unbrauchbar erschien. Deshalb habe er dafür auch nichts gezahlt. Die Bahn habe trotzdem Miete für zwei Räume haben wollen, rund 1500 Euro monatlich für den Ladenraum und 500 Euro für den ungenutzten Raum. So hätten sich Mietschulden von rund 30000 Euro angesammelt.

Die Fahrradstation wurde von den Studenten Hoelzner und Stefan Neitzel 1992 gegründet, sieben Jahre später bezog man die zweite Filiale im Bahnhof Friedrichstraße. Um sie zu sanieren, habe er das Haus seiner Eltern in Heilbronn verpfändet, sagt Hoelzner. Er wünsche sich, dass man mit der Bahn zu einer vernünftigen Lösung komme. Dass die Mietschulden abgestottert werden, man aber die Räume behalten darf. Die Filiale ist die umsatzstärkste.

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