Berlin : Wenn Kerle zu sehr rumzicken

Frauen und Katzen beherrschen die Welt: Premiere für „Männergespräche“ im Renaissance-Theater

G,a Bartels

Das muss was zu bedeuten haben: Männer am Rande des Nervenzusammenbruchs haben gerade mächtig Konjunktur auf den Bühnen der Stadt. In der Komödie am Ku’damm läuft der Dauerbrenner „Männerhort“, in dem sich samstags im Einkaufscenter immer welche vor ihren shoppenden Frauen verstecken. Und heute ist im Renaissance-Theater die Premiere von „Männergespräche“. Ein Stück, in dem ein Berliner Schriftsteller vor der Entscheidung steht, seiner Freundin nach New York zu folgen und ihr Hausmann zu werden. Das bequatschen er und seine beiden Freunde, alle Ende 30, endlos und in bester Opfermentalität. „Wir sind ja keine Generation von Machern“, meinen die drei Schauspieler zum hilflosen Treiben ihrer Figuren, „sondern eher eine von Zweiflern.“

Worum es in dem Stück wirklich geht? „Um die Emanzipation des Mannes in einer Welt, die von Frauen und Katzen beherrscht wird“, zitiert Schauspieler Wanja Mues das Textbuch. Die Katze ist immerhin noch männlichen Geschlechts: ein Terrorkater namens Manson, den Mues in seiner Rolle hüten muss, weil seine karrieregeile Freundin dauernd durch die Welt jettet. Spiegelverkehrte Klischees wie dieses sind das Bauprinzip von Morton Feldmans Komödie: Alles, was sonst Männern nachgesagt wird, machen hier die unsichtbaren Frauen, und umgekehrt. Vor allem umgekehrt.

Die Kerle mäkeln, zicken, flennen und tratschen wie die Waschweiber, klimpern dabei mit ihren Bierflaschen und dampfen eine Fluppe nach der anderen. „Wir sind drei Schauspieler, die miteinander ins Gefecht gehen. Im Sitzen, Stehen und Liegen.“ Das klingt mehr nach Boxring als nach Geschlechterkampf.

Aber erst mal noch zur Grundsatzfrage: Was unterscheidet Männer- von Frauengesprächen? „Sie haben mehr Grundhärte und sind weniger gefühlsbetont“, meint Alexander Schröder. Mit rasierten Koteletten und Nadelstreifenanzug spielt er den einsamen Galeristen Malte. Der Titel des Stücks sei eigentlich irreführend, denn das im Stück sei ja eher ein klassisches Frauengespräch. „Über Entscheidungen, Beziehungen und so“, ergänzt Ronald Zehrfeld, der den ewig schnorrenden Maler Jakob mimt.

Die drei Schauspieler leben in Berlin und sind häufig im Theater, in Fernseh- oder Kinorollen zu sehen. Frische Typen, attraktiv und auskunftsfreudig. Ob sie Männergespräche führen? Klar, meint Wanja Mues. „Mit Freunden zusammensitzen, übers Leben philosophieren, sich dabei anmotzen – das kommt vor.“ Aber genau wie im Stück habe die Freundschaft trotzdem Bestand.

Bei der Frage, ob sie selber bereit wären, für Frau und Kind zum Hausmann zu werden, kommt Leben in die Runde. Wanja Mues, demnächst Vater zweier Kinder, meint, er und seine Frau versuchten das modern zu handhaben. „Sie ist auch Freiberuflerin, und wir teilen alles auf.“ Für ihn liege das alles noch in der Zukunft, lenkt Ronald Zehrfeld ab. „Sag doch mal“, insistiert Mues wie in der Männergruppe, „kannst du dir vorstellen, die Karriere für Familie aufzugeben?“ Zehrfeld sagt zögernd „Ja“. Alexander Schröder kann sich’s für zwei Jahre vorstellen, das Schauspielern sein zu lassen. „Länger aber nicht.“

Nach so viel Ernst beeilen sich die drei erst mal zu betonen, dass „Männergespräche“ aber in erster Linie klasse Unterhaltung zum Totlachen sei. Besonders die Frauen im Publikum hätten in Hamburg, wo das Stück letzten Oktober uraufgeführt wurde, spontan losgelacht. Und die Männer? „Die fühlten sich etwas bloßgestellt.“ Vom Berliner Publikum, das direkter sei als die zurückhaltenden Hanseaten, erwarteten sie noch mehr Kommentare. „Hoffentlich kommen auch ein paar Studenten“, wünscht sich der Kreuzberger Alexander Schröder. Lustig sei die Reaktion ihrer Eltern und von deren Altersgenossen auf „Männergespräche“, meint Wanja Mues. Die seien nachher zu ihnen gekommen und hätten gesagt: „Ach, jetzt kapieren wir das. So seid ihr also.“ Ob das ein Kompliment war oder ein Schreckensruf, lässt sich jetzt überprüfen.

„Männergespräche“ läuft bis zum 2. Mai im Renaissance-Theater. Karten für 12–34 Euro unter der Telefonnummer 312 42 02.

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