Berlin : Wenn Politiker gendern Brigitte Grunert über die Sprache der Politiker

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Alle Senatsmitglieder erhielten eine Unterweisung in Gender Mainstreaming, so Finanzsenator Thilo Sarrazin bei der Erläuterung seines Bericht über externe Beratungen und Gutachten für den Senat. Es ist ja auch ein seltsamer Begriff. Er geistert durch die Politik, seit er 1999 in einem EUVertrag auftauchte. Wer könnte schon mit einer Art Geschlecht-Hauptströmen etwas anfangen? Gemeint ist, kurz gesagt, die Frauenförderung im Sinne der Chancengleichheit als gesellschaftliches Prinzip.

Da Gender Mainstreaming ein so langes Wort ist, verkürzen es unsere Abgeordneten und Senatsmitglieder umstandslos. Sie „gendern“ (geschlechtern!). Das tun sie mit großem Ernst. Sie kommen vor lauter Geschlechtsbezeichnungen gar nicht zur Sache. Keiner wagt mehr, „die Bürger“ zu sagen; die Bürgerinnen dürfen nicht zu kurz kommen. Gewissenhaft heißt es: Bürgerinnen und Bürger, Senatorinnen und Senatoren, Verwaltungsreformerinnen und Verwaltungsreformer, Vorrednerinnen und Vorredner… Das Senatsmitglied ist zum Glück ein Neutrum. Dies bewahrt uns vor „Mitgliedinnen“.

Wenn sich die Grünen durchsetzen, schwillt die Geschäftsordnung des Abgeordnetenhauses mächtig an. Sie wünschen nämlich, dass in der Geschäftsordnung immer der männlichen Form die weibliche vorangestellt wird: „Die Präsidentin bzw. der Präsident“ und so weiter. Aus dem Rat der Bürgermeister würde der „Rat der Bürgermeisterinnen und Bürgermeister“.

Wirtschaftssenator Harald Wolf (PDS) sagte vor dem Parlament, man müsse „die Geschlechtergerechtigkeit zu einem integralen Wirtschaftsbestandteil machen“. Er verwies auf eine „genderpolitische Untersuchung“ und „bezirkliche Genderprojekte“. Bärbel Holzheuer-Hohensteiner (PDS) lobte „das Gendern des Wirtschafts- und Arbeitsmarktberichts“. Sie meinte: „Für kleine und mittlere Betriebe kann Gender Mainstreaming zum Motor für ihren Marktanteil werden.“

Alles verstanden? Wenn nicht, macht es nichts. Auf das Bewusstsein kommt es an! Vielleicht hilft’s ja auch den Frauen mit der „diskontinuierlichen Erwerbsbiografie“ (Senator Wolf). Zu Deutsch: Mütter haben Nachteile im beruflichen Fortkommen. Selbst dieses Problem muss man nicht mehr familienpolitisch, sondern „genderpolitisch“ lösen, und zwar „sensibel und effektiv“, wie es sich Ulrike Neumann (SPD) mit einem Begriffspaar wünscht, das in keiner Debatte fehlt, egal zu welchem Thema.

Klar, die am besten ausgebildeten Frauen haben die größtmöglichen Chancen. Efrim Baba (PDS) aber machte aus ihnen die „bestausgebildetsten Frauen“. Mit dem doppelten Superlativ sagte sie nun mal des Guten zu viel. René Stadtkewitz (CDU) fiel zur „Genderpolitik“ ein, „dass uns eine Kanzlerin ganz gut tue“. Damit war er bei Angela Merkel, machtpolitisch. Vielen gefiel das aber gar nicht. Links von der CDU machte sich Unruhe bemerkbar.

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