Berlin : Wer die Tür hat, hat die Macht

Ausländische Clans drängen in die Drogen- und Türsteherszene

Lars von Törne

Ein wenig erinnert die Situation an das Mafia-Drama „Der Pate“: Eine Hand voll Großfamilien haben den Drogen-, Waffen- und zum Teil auch den Prostituierten-Markt unter sich aufgeteilt, Auseinandersetzungen werden brutal und zunehmend mit Schusswaffen geführt, gegenüber Polizei und Außenstehenden ist das System abgeschottet. Da allerdings endet die Parallele zwischen der Organisierten Kriminalität à la Marlon Brando und der so genannten libanesisch-kurdischen Kriminalitätsszene Berlins. Denn noch kontrollieren Banden wie jene, die jüngst in Neukölln Ziel des SEK-Einsatzes waren, nur einen kleinen Teil der Szene.

Dreh- und Angelpunkt ihrer kriminellen Aktivitäten ist die so genannte Türsteher-Szene Berlins. Seit langem schon beobachtet die Polizei, wie Banden aus diesem Milieu versuchen, „die Türsteher-Tätigkeit in Diskotheken und sonstigen Vergnügungsstätten zu übernehmen, da diese gleichbedeutend mit der Entscheidungsgewalt ist, wer in diesen Örtlichkeiten mit Rauschgift handeln darf und wer nicht“, wie kürzlich der Inspektionsleiter für Organisierte Kriminalität beim Landeskriminalamt, Markus Henninger, in einer Analyse feststellte.

Die personellen Überschneidungen zwischen Türsteherszene und libanesisch- kurdischen Banden sind besonders in den beiden Bezirken hoch, in denen die bewaffneten Auseinandersetzungen der jüngsten Vergangenheit stattfanden: Neukölln und Wedding. Ob es sich auch bei der Messerstecherei vor dem Rudower „Jungle Club“, die der Auslöser für den SEK-Einsatz in Neukölln war, um eine Revierstreitigkeit zwischen konkurrierenden Großfamilien handelte, ist bislang unklar. Eigentlich gelten die jeweiligen Reviere inzwischen als klar abgesteckt. Dennoch kam es in den vergangenen Jahren immer wieder „zu zahlreichen Schießereien in Lokalitäten oder auf öffentlichem Straßenland, bei denen sich verfeindete Gruppierungen unter anderem sogar gegenseitig mit MP- Salven ,eindeckten’“, schreibt Inspektionsleiter Henninger. In den vergangenen zehn Jahren registrierte die Polizei „weit über 20 Schießereien“ in der libanesisch-kurdischen Kriminalitätsszene.

Dazu passt, dass auch die Polizei bei ihren Einsätzen auf eine zunehmende Gewaltbereitschaft trifft – nicht nur im beschriebenen Milieu. „Die Hemmschwelle, massive Gewalt gegen Polizisten einzusetzen, sinkt seit Jahren“, sagt Klaus Eisenreich von der Gewerkschaft der Polizei. Und die Täter rüsten auf: Immer häufiger werden Pistolen benutzt, zunehmend auch mit manipulierter Munition, die eine höhere Durchschlagskraft hat. Eine solche Kugel soll auch den SEK-Mann getroffen haben, der dadurch lebensgefährlich verletzt wurde. Der Täter, der 33-jährige Yassin Ali-K., hat inzwischen die Tat gestanden.

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