Wer ist Rainer Maria Woelki? : Konservativ, aber umgänglich

Wer ist Rainer Maria Woelki? Einer wie Kardinal Meisner? Eine Annäherungen nach der Berufung des Kölner Weihbischofs nach Berlin.

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In Demut in die Hauptstadt. Rainer Maria Woelki musste erst reiflich nachdenken, bevor er die Berufung nach Berlin annahm.
In Demut in die Hauptstadt. Rainer Maria Woelki musste erst reiflich nachdenken, bevor er die Berufung nach Berlin annahm.Foto: dapd

Er war schockiert und musste sich erstmal hinsetzen, als die Berufung kam. So fing die Geschichte mit Rainer Maria Woelki und Berlin vor einigen Tagen an. So hat er es dem Kölner Domradio erzählt. Als ihm die Berliner Domkapitulare mitteilten, dass sie ihn zum neuen Berliner Erzbischof gewählt haben, sei der Schreck „ziemlich massiv“ gewesen. Er kenne Berlin nicht und habe mit allem gerechnet, nur nicht damit, ein solches Amt übernehmen zu müssen, gestand Woelki dem Domradio. Erst nach Zögern, reiflichem Nachdenken und schlaflosen Nächten, habe er zugesagt. Solche Sätze können Demutsfloskeln sein, wie sie im kirchlichen Bereich benutzt werden, wenn einer befördert wird. Rainer Maria Woelki scheint aber tatsächlich ein uneitler Zeitgenosse zu sein. Es gehe ihm um Sachthemen und nicht um seine Person, loben Kölner Pfarrer. Und dass sich Woelki seinen Aufgaben ernst und gewissenhaft widme. Am Sonnabend hatten der Vatikan und das Berliner Erzbistum bekannt gegeben, dass Rainer Maria Woelki zum Erzbischof von Berlin ernannt wurde.

Im Interview mit dem Domradio erzählte Woelki auch, dass er mit seinem Chef, Kardinal Joachim Meisner, im Vorfeld nicht über das Berliner Berufsverfahren gesprochen habe. Kann man das glauben? Der mächtige, erzkonservative Kardinal Meisner soll in Rom zunächst heftig für eine Beförderung seines Zöglings Matthias Heinrich geworben haben, heißt es in Kirchenkreisen. Als das Domkapitel Heinrich ablehnte, habe er Woelki durchgesetzt. Von all dem soll Rainer Maria Woelki nichts mitbekommen haben?

Dass Woelki aus Meisners direktem Umfeld kommt, heißt nicht, dass er immer wusste, was dieser tat und dachte, sagt einer, der ihn noch aus dem Studium kennt. Als er Meisners Sekretär war und später als Leiter des Priesterseminars Collegium Albertinum, sei Woelki sehr vertraut mit Meisner gewesen. „Kofferträger“ schrieben Kommentatoren im Internet. In den vergangenen zwei, drei Jahren soll er sich von Meisner emanzipiert haben. Pfarrer berichten, dass er im Gespräch mit ihnen öfter Meisners brachial-autoritären Führungsstil kritisiert habe und dass der Kardinal dringend notwendige Strukturreformen blockiere.

Der 54-Jährige könne zuhören, sei menschenzugewandt, ein stiller, umgänglicher Typ, sagen die einen im Kölner Erzbistum. Andere sprechen davon, dass er eine negative, weltabgewandte, zynische Seite habe. Und dass es vom Umfeld abhänge, welche Seite zum Tragen komme. Wenn Menschen ihm von vornherein mit Ablehnung begegnen, ziehe er sich zurück, schotte sich ab. Aber er sei kein Polterer, kein Eiferer wie Kardinal Meisner.

Dass er theologisch ein Konservativer ist, daran besteht wohl kein Zweifel. Laien dürften bei ihm nicht predigen, er dulde keinerlei Abweichung von den liturgischen Normen, sagen Pfarrer „Experimente sind mit ihm nicht zu haben.“Im April hatte der „Spiegel“ geschrieben, dass Woelki in Meisners Auftrag verhindert habe, dass ein Mann zum Diakon geweiht wurde, der vor acht Jahren in einem Aufklärungsbuch geschrieben hatte: „Es gibt auch Männer, die Männer lieben“. Woelki soll gesagt haben: „Das verstößt gegen die Schöpfungsordnung.“

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