Berlin : Werden die Studenten militanter?

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AKTUELLE FRAGE

Marius Pöthe ist Vorsitzender des Allgemeinen Studierendenausschusses (Asta) an der Technischen Universität und Mitglied der Jungsozialisten (Jusos).

Herr Pöthe, bei immer mehr Aktionen der streikenden Studenten muss die Polizei eingreifen, wie etwa bei der Besetzung der SPDBundeszentrale. Werden die Studenten militanter?

Die Studenten werden wütender, weil niemand im Senat uns wirklich zuhört. Bisher jedenfalls sind die Besetzungsaktionen eine gute Möglichkeit, unsere Forderungen überhaupt in die Öffentlichkeit zu bringen. Und wir sind bereit, unser Anliegen mit aller Macht durchzudrücken.

Mit allen Mitteln?

Nein, nicht mit Gewalt. Das ist Konsens unter den Streikenden und ich denke, das wird auch so bleiben. In Gebäude einzudringen und sie zu besetzen allerdings geht in Ordnung.

Am Freitag haben sie auch die Bertelsmann-Repräsentanz besetzt. Warum?

Bertelsmann macht Wissenschaftspolitik, die hängen zum Beispiel im Centrum für Hochschulentwicklung mit drin und sind dadurch in Deutschland für das Hochschulranking mitverantwortlich. Deswegen darf sich Bertelsmann nicht aus der Verantwortung stehlen, sondern muss Stellung zur Hochschulfinanzierung in Berlin beziehen. So wie es die Gewerkschaften und andere Gruppierungen bereits getan haben.

Wäre nicht gerade eine engere Zusammenarbeit zwischen Universitäten und Privatwirtschaft eine Möglichkeit, das Bildungssystem zu verbessern?

Viele Firmen sind doch bereits über Drittmittel an Forschungsprojekten beteiligt. Die Arbeitgeberverbände sitzen im Uni-Kuratorium und haben dort Stimmrecht. Mehr Zusammenarbeit brauchen wir nicht. Wenn die Wirtschaft Privat-Unis zusätzlich zum staatlichen Angebot gründen will, habe ich nichts dagegen. Aber private Elite-Unis zu fördern und gleichzeitig an der Bildung für alle zu sparen, das geht nicht.

Kritiker werfen den Studenten vor, mit den Protesten nur am Status quo festhalten zu wollen.

Das tun wir nicht. Wir wollen, dass der Hochschuletat verdoppelt wird und wir wollen mehr studentische Mitbestimmung.

Damit dann doch alles so bleiben kann wie es ist? Wäre die Finanznotlage nicht auch eine Chance für Reformen an den Hochschulen?

Das Reformgerede ist doch nur eine Sparzwanglogik. Um die Freiheit von Forschung und Bildung zu gewährleisten, müssen die Unis selbst entscheiden können, welche Fächer sie anbieten. Das darf nicht durch eine Finanznotlage bestimmt werden. Deswegen wollen wir auch keine Studiengebühren, weil dadurch die sozial Schwachen ausgegrenzt werden.

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