Berlin : Wider den Müll

Werner van Bebber

So abgebrüht wie Mohamed A. sind die wenigsten Jugendlichen. Der 15 Jahre alte Neuköllner soll sich heute vor Gericht für den Überfall auf eine 90 Jahre alte Frau rechtfertigen. Zu seiner Sozialisation gehört die Erfahrung, dass man den Behörden, der Polizei und den Gerichten bis zu einer gewissen Grenze absolute Ignoranz entgegenbringen kann: Dem Neuköllner Ordnungsamt war er, wie in der Ausgabe vom Sonntag berichtet, als unbelehrbarer Müllsünder aufgefallen. Er entsorgte den Dreck der Familien über den Balkon und kommentiert das angedrohte Bußgeld mit der Bemerkung, ein Verfahren werde ja doch eingestellt. Nicht seine kriminelle Energie, doch diese Haltung teilt er mit vielen, die die öffentliche Ordnung als etwas kennen, das nur für andere verbindlich ist. Der Neuköllner Bürgermeister Heinz Buschkowsky ärgert sich darüber, dass die Amtsgerichte für Typen wie Mohamed keine Kraft mehr haben. Manche meinen, Buschkowsky mache mit seinen Empörungen Neukölln schlecht. Das Gegenteil ist der Fall: Weil es Leute wie ihn gibt, kann man für Neukölln noch hoffen.

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