Berlin : Wie Berliner Türken um ihre spätere Rente in der Heimat kämpfen

Suzan Gülfirat

GAZETELER RÜCKBLICK

Jeden Montag im Tagesspiegel: ein Rückblick auf die in Berlin erscheinenden türkischen Tageszeitung.

Groß, bunt und reichlich bebildert erschien der Bericht über die Geiselnahme in einer Schule in Waiblingen auch in den türkischen Zeitungen. Ist eine Nachricht aus Deutschland besonders spektakulär–erst recht, wenn Kinder darin vorkommen–wird in den türkischen Printmedien in der Regel ausführlich darüber berichtet. Ein 16 Jahre alter Schüler hatte am Freitag vier Schüler sechs Stunden lang in der Baden-Württembergischen Stadt als Geiseln genommen. Wenn Türken in den Geschichten vorkommen, bekommt die Geschichte für die türkischen Blätter jedoch eine größere Dimension. Unter den Geiseln sei auch ein türkischer Junge gewesen, berichteten die Hürriyet und die Türkiye sogar auf ihrer Titelseite am Sonntag. „Hasan hat von der Geiselnahme erzählt“, berichtete die Hürriyet und zeigte Bilder von dem Jungen und seiner Familie. „Ich hatte keine Angst vor Marcel“, hieß es auch in der Tageszeitung Türkiye.

Wegen Ihrer Bedeutung für türkische Leser stehen auch Themen über die Rente besonders hoch im Kurs. In der Rubrik der „Editor“ beantwortet Mitarbeiter Ali Güven regelmäßig Fragen zu diesem Themenkomplex. In der vergangenen Woche beantwortet er die Fragen eines M. Yüksel aus Herten. Der hatte ihm seinen persönlichen Fall so beschrieben: „Wir sind eine vierköpfige Familie. Seit 1996 haben wir die deutsche und die türkische Staatsbürgerschaft. Später wollen wir überwiegend in der Türkei leben. Unser Ziel ist es, unsere Rentenbeiträge bar in die türkische Rentenkasse einzuzahlen, damit wir nach unserer Rückkehr davon leben können.“ Offenbar betrifft sein Fall viele andere Türken in Deutschland, so dass der Hürriyet-Schreiber auf den Fall eingegangen ist. Die türkische Regierung hatte einst für die angeworbenen türkischen Gastarbeiter einen speziellen Fonds eingerichtet, damit sie nach ihrer Rückkehr in ihre Heimat finanziell abgesichert sind. Denn die meisten von ihnen hatten in der Türkei entweder nur kurze Zeit oder gar nicht gearbeitet. Die deutsche Rentenkasse zahlt nach wie vor türkischen Staatsbürgern, die endgültig in die Heimat zurückkehren wollen (also wenn sie ihr Aufenthaltsrecht aufgeben und deshalb nicht mehr nach Deutschland zurückkehren können), den Arbeitnehmeranteil der Rentenbeiträge in einem Betrag aus. Dieses Geld können die Arbeiter dann in die türkische Rentenkasse einzahlen. Und M. Yüksel wollte folgendes wissen: „1.) Wann muss ich Deutschland spätestens verlassen, nachdem ich den Behörden meine endgültige Rückkehr bekannt gegeben habe? 2.) Wenn ich nach meiner Rückkehr Rente aus der türkischen Rentenkasse bekomme, muss ich dann die deutsche Staatsbürgerschaft aufgeben? 3.) Kann ich als deutscher Staatsbürger türkische Rente bekommen und in der Türkei leben? 4.) Bringt das für mich Nachteile mit sich? 5.) Warum kann ein Türke in Deutschland Rente bekommen, während ein Deutscher in der Türkei keine Rente bekommen kann?“

Die Antworten des Editors an M. Yüksel sind unmissverständlich: „Werter Leser. In ihrem Kopf herrscht ein Verständnis-Wirrwarr. Sie können als deutscher Staatsbürger nicht für immer in die Türkei zurückkehren.“ Weiter erklärt er: „Natürlich kann ein Deutscher in der Türkei Rente bekommen, wenn er dort gearbeitet und Beiträge eingezahlt hat. Die Rentenregelung, die Sie ansprechen, ist nur für türkische Staatsbürger im Ausland gedacht, damit sie im Fall ihrer endgültigen Rückkehr sozial abgesichert sind, weil sie ja in Deutschland keine Rente mehr bekommen können. (…) Er muss dann aber auch für immer zurückkehren. Als deutscher Staatsbürger müssen Sie schon in der Türkei arbeiten und Rentenbeiträge einzahlen, damit sie dort Rente bekommen.“

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