Berlin : WIE EINE AMPEL IM EMSLAND RASER ERKENNT

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Die kürzeste Verbindung zwischen den wichtigsten Häfen Europas, Hamburg und Rotterdam, führt durchs Emsland, und zwar über die Europastraße 233. Tausende von Lastwagen brausen hier täglich über die Strecke; nachts beträgt der Anteil des Schwerlastverkehrs am Gesamtaufkommen 60 Prozent. Um die unter Zeitdruck stehenden LkwFahrer vom Rasen abzuhalten, hat das Straßenbauamt in Lingen die Ampeln auf der Strecke so geschaltet, dass nur derjenige Fahrer grüne Welle hat, der sich ans vorgeschriebene Tempo hält.

„Die Ampelschaltung lautet: Alles Rot, sofort Grün“, sagt der Fachbereichsleiter Verkehr im Straßenbauamt Lingen, Franz Kleene. Nachts zeigen die Ampeln an allen Kreuzungen Rot. „Im Boden, 150 Meter vor der Ampel, liegt ein Detektor, der das herannahende Auto registriert. Die Ampel wird dann rechtzeitig grün und der Fahrer muss nicht bremsen – wenn er die richtige Geschwindigkeit hat.“ Fährt er aber zu schnell, zeigt die Ampel noch Rot, wenn er vor ihr ankommt, und zwingt ihn zum Bremsen. „Mit dieser Schaltung haben wir den ,Das-schaff-ich-noch-Effekt‘ überwunden“, sagt Kleene. Wer nämlich aus der Ferne grün sieht, neigt dazu, nochmal Gas zu geben. Das hat bei dieser Ampelschaltung aber keinen Zweck.

Die Bevölkerung hält die Ampelkonstruktion sogar für intelligenter, als sie wirklich ist. „Die Leute denken, wenn sie zu schnell fahren, straft die Ampel sie ab, indem sie noch länger Rot zeigt“, hat Kleene erfahren. „Das stimmt aber nicht. Die Geschwindigkeit wird überhaupt nicht gemessen – das wäre viel zu aufwendig und teuer.“ fk

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