Berlin : Wieder Vorwürfe gegen Immobilien-Firma

Ole Töns

Erst unbezahlte Rechnungen bei den Wasserwerken, nun Wohnungskäufer, die ihre Kredite nicht zahlen können: Gegen den türkischen Immobilienunternehmer Kemal Degirmenci und seine Firma Euroim haben jetzt der Rechtsanwalt Atalay Gümüsboga und die Berliner Mietergemeinschaft weitere Vorwürfe erhoben. Bis zu 500 Wohnungen soll Degirmenci demnach seit Mitte der 90er Jahre zu überhöhten Preisen und mit dubiosen Geschäftsmethoden an vorwiegend türkischsprachige Mieter mit geringem Einkommen verkauft haben. Diesen sei teilweise vorgegaukelt worden, sie könnten Kaufkredite von über 600 000 Mark durch Mieteinnahmen abtragen, wenn sie zu der eigenen Wohnung gleich weitere hinzukauften, erklärte Gümüsboga. Außerdem soll Degirmenci seine Käufer mit Monatseinkommen unter 3500 Mark vielfach über die Folgen ihrer Kreditnahme im Unklaren gelassen sowie deren tatsächliche Einkommensverhältnisse und Kreditwürdigkeit verschleiert haben. Gümüsboga vertritt die Interessen der Mieter und hat inzwischen Strafanzeige gestellt. Mehrere Verfahren sind nach Darstellung des Rechtsanwalts beim Landgericht anhängig.

Im Einzelnen soll Degirmenci demnach Lohnbescheinigungen ausgestellt haben, um Käufer kreditwürdiger erscheinen zu lassen. Auch sollen zusätzliche Kredite vergeben worden sein, um den von den Banken in der Regel geforderten Eigenkapitalanteil der Käufer bereitzustellen. Zudem sollen Käufer keinen Aufschluss darüber erhalten haben, dass die vereinbarten Ratenzahlungen allenfalls zur Zinstilgung reichten. Einzelne Käufer berichteten auf einer Pressekonferenz von Telefonanrufen, in denen sie mit Vertragsstrafen bedroht wurden, wenn sie sich nicht zum Kauf entschließen. Mietergemeinschaft und Rechtsanwalt Gümüsboga wiesen darauf hin, dass Degirmenci sich die weitgehende Unkenntnis deutscher Rechtsverhältnisse bei vielen Mitgliedern der türkischen Einwanderergeneration zunutze gemacht habe. Von Degirmenci selbst war bis zum Redaktionsschluss keine Stellungnahme zu den Vorwürfen zu bekommen.

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