Berlin : Wiedervereinigung: Erinnerung an die Teilung und die Einheit der Stadt

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"Möge es uns gelingen, die unglaubliche Not, das Elend der Arbeitslosigkeit und so viele andere betrübliche Erscheinungen durch unsere Arbeit zu lindern." Alterspräsident Wilhelm Laverrenz wünschte sich das, in der ersten Sitzung des Berliner Abgeordnetenhauses am 11. Januar 1951 im Rathaus Schöneberg. Genau vierzig Jahre später, in der Nikolaikirche in Berlin-Mitte, rief die Präsidentin des ersten Gesamtberliner Abgeordnetenhauses, Hanna-Renate Laurien, dazu auf, "in der nicht mehr geteilten Stadt die Rechtsgleichheit zu sichern und gleiche Lebensbedingungen herzustellen."

Zehn Jahre ist das nun her. Wiederum in der Nikolaikirche trafen sich gestern ehemalige und aktive Abgeordnete und Senatsmitglieder, Bezirksbürgermeister und andere Ehrengäste zu einer Feierstunde, um sich an beide Ereignisse zu erinnern. Was haben sie miteinander zu tun? "Im Zeitraffer gesagt: Der Kreis hat sich geschlossen", sagte Tagesspiegel-Redakteurin Brigitte Grunert in ihrer Festrede. Abgeordnetenhauspräsident Reinhard Führer wies auf die "Spuren und Narben" hin, die die Ereignisse der vergangenen 50 Jahre in Berlin hinterlassen hätten. Heute gebe es, nach den Zeiten der Teilung und nach zehn Jahren in einem vereinten Berlin, eine neue Herausforderung: die Einheit Europas.

Sehr eindringlich schilderte die SPD-Abgeordnete Irana Rusta die Probleme der Ost-Berliner Politiker, die sich nach der Wende in die "Rituale und feste Rollenverteilung" des ehemals West-Berliner Parlamentsbetriebes hineinfinden mussten. Frau Rusta war 1990 Stadtverordnete und Kultur-Stadträtin in Ost-Berlin. "Den meisten von uns ging es nicht um die politische Karriere. Es ging uns vor allem darum, die historische Chance zu ergreifen und das menschenverachtende SED-Regime durch Freiheit und Demokratie und Einheit abzulösen." Sie wolle nicht verschweigen, sagte die Festrednerin in der Nikolaikirche, "dass die historische Leistung der Demonstranten im Osten und ihrer ersten frei gewählten Stadtverordneten von manch einem West-Berliner Abgeordneten nicht immer und nicht ausreichend gewürdigt wurde". Das habe geschmerzt.

Der CDU-Politiker Klaus Franke, der 1991 Alterspräsident des Abgeordnetenhauses war, erinnerte gestern an "die Dankbarkeit und das Staunen",das kurz nach dem Mauerfall vorgeherrscht habe. Berlin sei inzwischen moderner und schöner, internationaler und aufregender geworden, aber: "Die Berlinerinnen und Berliner sind immer noch das Beste an unserer Stadt." Für diese Bemerkung erhielt Franke ordentlich Beifall.

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