Berlin : Wieso, weshalb, warum?

Was Kinder wissen wollen, wissen viele Eltern selber nicht. McKinsey will Kita-Personal weiterbilden

Meike Patzig

Kinder haben viele Fragen: Warum schwimmen Schiffe, warum fliegen Vögel, warum ist das Meer salzig, warum regnet es? Auf viele Fragen wissen Erwachsene keine Antwort, jedenfalls keine, die Kinder verstehen. Das will die Initiative „McKinsey bildet“ ändern. Sie hat 16 Naturwissenschaftler dafür gewonnen, Erzieherinnen Anregungen für die frühkindliche Bildung zu geben.

In Zweier-Teams traten die Wissenschaftler vergangene Woche vor insgesamt 240 Erzieherinnen in Kreuzberg, Hellersdorf, Prenzlauer Berg, Wedding, Tempelhof, Schöneberg und Charlottenburg auf und erklärten ihnen unter dem Titel „Warum ist der Himmel blau?“ Phänomene, die Kinder faszinieren. In Kreuzberg war die INA-Kita in der Dresdener Straße Gastgeberin. Hier erläuterten der Molekulargenetiker Sebastian Haesler vom Max-Planck-Institut in Dahlem und der Physiker Axel Werner Erzieherinnen aus mehreren Kitas wissenschaftliche Hintergründe von so unterschiedlichen Dingen wie Haarfarben und Flugzeugen. Allerdings so, dass es Kinder nicht verstehen würden. Die Vermittlung an die Kinder wird weiter ein Problem der Erzieherinnen bleiben. Dennoch empfanden sie den Abend als gelungen. INA-Kita-Leiterin Ulrike Rußmann sagt, dass Kinder über das Sehen und Fühlen lernen. „Wir überlegen deshalb, in der nächsten Zeit Experimentierstationen aus unterschiedlichen Bereichen, wie Mathematik, Kommunikation oder Musik aufzubauen.“ Man werde ein Mikroskop anschaffen, damit die Kinder forschen können.

Für den Physiker Axel Werner liegt das größte Problem darin, dass die Erwachsenen selbst oft kein Interesse an Naturwissenschaften haben, also auch keine Anregungen geben können. Das möchte er durch eine neue Einrichtung ändern: Nächstes Jahr öffnet in Potsdam ein „Exploratorium“. Dort soll es rund 100 interaktive Exponate aus verschiedenen wissenschaftlichen Themenwelten, wie Optik, Geologie, Biologie oder Mechanik geben, mit denen Kinder experimentieren und spielend lernen können.

„Das Lernvermögen und der Wille sind in den ersten Lebensjahren so groß wie nie mehr“, sagt Werner. „aber Kinder lernen über ihren Körper, nicht über den Geist. Sie müssen Dinge erleben und ausprobieren, um sie zu glauben.“

Für McKinsey ist die Förderung von Wissenschaftsinteresse bei Kinder nicht das erste Kita-Engagement. Zuvor war die Unternehmensberatung bereits beim Thema „Sprachförderung in Kitas“ aktiv. Bei der zweiten McKinsey-Bildungswerkstatt am 16. März wollen Wissenschaftler, Wirtschaftsvertreter und Kita-Leiterinnen darüber diskutieren, wie Kinder Naturgesetze intuitiv begreifen können. Im Herbst werden die Ergebnisse der Arbeit und Vorschläge zur frühkindlichen Bildungsförderung vorgelegt. Nebenbei soll eine enge Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Kitas entstehen. Uta Böllhoff von McKinsey hat einige Ideen dafür: Eine Webseite, auf der Wissenschaftler Kinderfragen beantworten, oder regelmäßige Schulungen für Erzieherinnen wären denkbar. Kita-Leiterin Ulrike Rußmann sieht die Aktion ebenfalls als einen viel versprechenden Anfang. „Vielleicht könnten Studenten den Kindern Wissenschaft nahe bringen.“

Währenddessen läuft der bundesweite McKinsey-Wettbewerb “Alle Talente fördern“ weiter. Projekte, die die Chancengerechtigkeit von Kindern bis sechs Jahren fördern, sollen unterstützt und vernetzt werden.

Alle Kitas können sich bewerben. Unterlagen unter www.mckinsey-bildet.de oder per Post: McKinsey bildet/Alle Talente fördern, Kurfürstendamm 185, 10707 Berlin. Bewerbungsschluss: 30. April 2005. Infos unter der Telefonnummer 88452642.

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