Berlin : „Wir haben gelernt zu feiern“

Wie türkische Blätter über EU-Erweiterung und 1. Mai berichteten

Suzan Gülfirat

GAZETELER RÜCKBLICK

Jeden Montag im Tagesspiegel: ein Rückblick auf die in Berlin erscheinenden türkischen Tageszeitungen.

Innensenator Erhart Körting (SPD) hatte die türkischen Jugendlichen noch am Mittwoch vor den Gefahren des 1. Mai in Berlin gewarnt. „Denkt an Eure Zukunft. Mischt Euch nicht in die Krawalle ein“, zitierte die Hürriyet den Politiker angesichts der drohenden hohen Haftstrafen in ihrer wöchentlichen Berlin-Beilage. Wie viel dieser Aufruf letztendlich gebracht haben mag, ist schwer zu ermessen. Die türkischen Blätter schafften es aufgrund ihrer frühen Redaktionsschlusszeiten nicht, Bilder von den Krawallen in Kreuzberg zu veröffentlichen. Die Texte waren daher eher allgemein gefasst, mit Zahlen von den Krawallen im Mauerpark in Prenzlauer Berg in der Walpurgisnacht. „In Berlin ist eingetreten, was befürchtet wurde“, berichtete die Milliyet auf der ersten Seite ihrer Europa-Beilage. Dazu zeigte sie die Aufnahme eines Demonstranten mit blutüberströmtem Gesicht. Allerdings war die DGB-Demo auf dem Alexanderplatz Seitenaufmacher. „Spannungen zum 1. Mai in Berlin“, schrieb die Hürriyet zu ihrem Text und zeigte eine Aufnahme, auf der zwei deutsche Polizisten einen Demonstranten im Würgegriff hatten. Den Kundgebungen in der Türkei widmeten die Blätter mehr Aufmerksamkeit. „Wir haben gelernt zu feiern“, schrieb die Türkiye erleichtert auf ihrer Titelseite am Sonntag, was heißen soll, dass es diesmal keine Toten und nur wenige Verletzte gab. Die Hürriyet fasste die „wenigen Vorfälle“ zusammen: „Eine Gruppe wollte an der Kundgebung in Izmir mit Öcalan-Poster teilnehmen. Bei anschließenden Krawallen wurden drei Polizisten verletzt. In Diyarbakir wurden 150 Personen, die demonstrieren wollten, festgenommen.“

Am größten berichteten die Zeitungen über die neuen EU-Beitritte. „Das soll auch uns widerfahren“, wünschten sich die Konkurrenzblätter Hürriyet und Türkiye in ihrer gleich lautenden Überschrift. „Eines Tages wird auch die Türkei drankommen“, ist sich die Hürriyet sicher. Dazu zeigten die Zeitungen Fotomontagen, auf denen glückliche Menschen im neuen Europa zu sehen waren.

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