Berlin : Wir sind das Fußballvolk

Die Nationalmannschaft mitten in Berlin

Ingo Schmidt-Tychsen

Drei, zwei, eins, Erdgeschoss. Der Fahrstuhl hält, die Türen gehen auf, dann laufen die Fußballer Michael Ballack und Oliver Kahn durch das Foyer des „Grand Hyatt“-Hotels. Es ist 21.30 Uhr, Samstagabend, die Stars von Bayern München machen noch eine kleine Tour durch die Berliner City.

So soll es sein, so haben es sich die Verantwortlichen der Nationalmannschaft vorgestellt. Seit Freitag wohnt das Team des Deutschen Fußball-Bundes am Potsdamer Platz. Am Mittwochabend steht das Freundschaftsspiel im Olympiastadion gegen Weltmeister Brasilien an. In der Vergangenheit wurden die Spieler vor Länderspielen in Landhotels einkaserniert, weitab der Großstadt. In Berlin war nun alles anders.

Noch am Sonnabend hatte Oliver Bierhoff, der neue Manager der Nationalmannschaft, den Umzug in die City so begründet: „Wir wollen uns nicht vollständig abkapseln. Die Jungs sollen auch mal vor die Tür treten und andere Leute sehen.“ Man könne ja nicht nur im Hotel „rumhängen“. Neue Worte also, die auch bei den Spielern gut ankamen. Am Sonnabend, einen Tag nach der Ankunft, hatten die Fußballer schnell genug von Playstation und Minibar in ihren Einzelzimmern. Also zogen sie in Zivilkleidung über den Potsdamer Platz. Der Kölner Lukas Podolski ließ sich im Sony-Center die neuesten Computer zeigen, Bundestrainer Jürgen Klinsmann setzte sich auf die Hotelterrasse und genoss die Sonne. Gestresst schienen sie nicht, für Ruhe sorgten die vier, fünf stämmigen Herren, die fast immer in ihrer Nähe waren.

Die Trainingseinheiten hinter dem Olympiastadion dagegen sollten unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden, doch am Ende hockten die Fotografen versteckt im Gebüsch.

Der Mannschaftsbus steht derzeit in der Tiefgarage unter dem Potsdamer Platz, direkt neben dem der Brasilianer. Die werden heute am Flughafen Tegel erwartet. Fast zur selben Zeit, um 16 Uhr, wird der Manager der Deutschen, Oliver Bierhoff, in der McDonald’s-Filiale in der Tauentzienstraße Kindern Fußballgeschichten aus der Bücherreihe „Die wilden Kerle“ vorlesen. Vielleicht passt es gar ein wenig zum vergangenen Wochenende. Drei Trainingseinheiten, viele Interviews, gestern ein freier Nachmittag – da blieb Zeit, sich bis in die Nacht an der Hotelbar blicken zu lassen. Doch ab heute wird es Ernst: Die Bettruhe ist auf 22 Uhr angesetzt.

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