• „Wir sind genauso gut wie die Feuerwehr“ Uwe Fleischer will das Monopol der Rettungsdienste knacken INTERVIEW

Berlin : „Wir sind genauso gut wie die Feuerwehr“ Uwe Fleischer will das Monopol der Rettungsdienste knacken INTERVIEW

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Im Gegensatz zu anderen Bundesländern dürfen sich in Berlin private Unternehmen nicht an der Notfallrettung beteiligen. Dies ist der Berliner Feuerwehr vorbehalten. Die Privaten sind nur für den Krankentransport zugelassen, also zum Beispiel für die Verlegung eines Patienten von einem Krankenhaus in ein anderes. Und auch nur dann, wenn dabei keine ärztliche Überwachung nötig ist. Privatfirmen versuchen schon lange, das Monopol zu knacken. Wir sprachen mit Uwe Fleischer (35), Inhaber der KrankentransportFirma City-Ambulance Berlin.

Was würde sich ändern, wenn sich auch private Unternehmer an Berlins Notfallrettung beteiligen könnten?

Durch den Wettbewerb steigt der Kostendruck auf die Anbieter, das heißt, die Leistungen werden bei gleichbleibender oder sogar höherer Qualität für die Krankenkassen preiswerter.

Wer darf in Berlin überhaupt Notfallrettung leisten?

Das ist ein Monopol der Feuerwehr im Verbund mit Hilfsorganisationen wie DRK, Johannitern oder Malteser Hilfsdienst. Damit findet in Berlin das so genannte Subsidiaritätsprinzip, wonach der Staat nur dort selbst Leistungen erbringt, wo es keine privaten Anbieter gibt, keine Anwendung. Für die Notfallrettung gäbe es viele private Bewerber. Trotzdem dürfen sie in Berlin nur den reinen Krankentransport übernehmen. Dabei herrscht doch schon in fast allen Bereichen des Gesundheitswesens Wettbewerb: zwischen den Krankenhäusern, zwischen den Krankenkassen oder den Ärzten.

Warum werden die privaten Krankentransporteure denn von der Notfallrettung in Berlin ausgeschlossen?

Ein Argument dagegen könnte die mangelnde Erfahrung sein, die man in Berlin mit einer solchen Beteiligung hat. Hier sieht man wohl ein erhöhtes Risiko, dass die Privaten den technisch wie logistisch höheren Anforderungen der Notfallrettung nicht gewachsen sein könnten.

Und wäre das nicht auch ein Risiko?

Nein, das zeigen Beispiele aus anderen Bundesländern. So betätigen sich in Bayern private Unternehmer erfolgreich neben den Hilfsorganisationen als Notfallretter. Selbst in ländlichen Gebieten agieren die Privaten, sie sind also lange nicht die Rosinenpicker, wie es ihnen immer wieder unterstellt wird. Auch in Brandenburg werden einzelne Wachbereiche für private Bewerber geöffnet. Die Hauptlast der Notfallrettung tragen die Feuerwehren eigentlich nur noch in Großstädten, wie Hamburg, Frankfurt/Main und eben Berlin.

Wie viele Firmen könnten in den Berliner Rettungsdienst einsteigen?

Allein in Berlin sind zwischen zehn und 15 Krankentransportunternehmen groß genug, um technisch und finanziell dazu in der Lage zu sein – darunter auch meine Firma „City-Ambulance“. Das Personal ist genauso qualifiziert wie die Rettungssanitäter und -assistenten der Feuerwehr. Zum großen Teil wurden die Leute an den selben Schulen ausgebildet. Die Unternehmen werden schon jetzt regelmäßig von der Senatsinnenverwaltung überprüft. Die Genehmigungen sind jeweils auf vier Jahre befristet, so dass man sich immer wieder einer neuen Zulassung stellen muss.

Wie können Unternehmer im Rettungsdienst überhaupt Geld verdienen? Hilfsorganisationen behaupten schließlich, die Notfallrettung sei ein Nullsummenspiel.

Man kann durchaus Gewinne machen, denn das bisherige System bietet eine ganz Reihe von Einsparmöglichkeiten. Die Feuerwehr hält noch immer an der Dreierbesetzung auf dem Rettungswagen fest, obwohl bundesweit Zweierbesatzungen üblich und bewährt sind. Auch die Einsatzstrategie lässt sich effektiver gestalten. Folgende Situation tritt tagtäglich ein: Auf einen eingehenden Notruf, sendet die Leitstelle einen Rettungswagen zum Einsatzort. Die Besatzung stellt eine lebensbedrohliche Situation fest, und es wird der Notarztwagen nachalarmiert. Also rücken für einen Notfallpatienten zwei teure Fahrzeuge und sechs Mann aus. Mit den so genannten Notfalleinsatzfahrzeugen wäre das nicht mehr notwendig. Da wird ein Arzt mit einem Pkw zum Einsatzort gefahren.

Das Gespräch führte Ingo Bach

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