Berlin : „Wir sind nicht willkommen“

Wie türkische Blätter über die Integrationsdebatte berichten

Suzan Gülfirat

Oft gehen die Themen in den deutschen Medien an den Lebenswelten der deutschen Türken völlig vorbei. Das ist im Moment anders. In vielen Zeitungen und Fernsehsendern geht es um Multikulti – und die türkischen Zeitungen geben ausführlich wieder, wer was wo zu Integration oder Muslimen gesagt hat.

Am Dienstag kam zum Beispiel das Ergebnis einer Zuschauerumfrage des ZDF auf die erste Seite der Europa-Ausgabe der Hürriyet. Der Sender hatte eine These von Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) aufgenommen und die Zuschauer nach ihrer Meinung gefragt. „War es ein Fehler, in den 60er Jahren Gastarbeiter ins Land zu holen?“, hieß die Frage und zur Empörung der Hürriyet war eine überwältigende Mehrheit der Anrufer für „Ja“. In Zahlen: 4587, das waren 89 Prozent der Umfrageteilnehmer. Die Hürriyet warf in ihrem Artikel dem ZDF vor, die Türken zur „Zielscheibe“ zu machen: „Das Zweite Deutsche Fernsehen spielt bei dem Thema Integration mit dem Feuer“, schrieb die Zeitung. Aus dem Ergebnis der Umfrage zog sie den Schluss: „Wir sind nicht willkommen.“

Das ZDF erregte noch mit einer weiteren Sendung den Unmut der Hürriyet. In der Polit-Talk-Sendung „Berlin Mitte“ mit dem Titel „Europa und die Türkei“ von Maybritt Illner war Heinrich August Winkler zu Gast gewesen, Professor für Neueste Geschichte an der Humboldt-Universität Berlin. Er hatte dort an den Türken kritisiert, dass man mit denen bis heute nicht über den Genozid an den Armeniern diskutieren kann.

Über dem ZDF-Text in der Hürriyet stand ein kürzerer Text mit einem Foto von Hakki Keskin, dem Bundesvorsitzenden der größten türkischen Dachorganisation, der „Türkischen Gemeinde in Deutschland“. Dieser warnte die Deutschen vor einem neuen Kreuzzug gegen die Türken in Deutschland. In der Milliyet sagte Keskin: „Die multikulturelle Gesellschaft ist am Leben.“

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