Berlin : „Wir wollen das deutsche Publikum wachrütteln“

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Die Jüdische Gemeinde hat zu einer Demonstration „Gegen den Versuch der FDP, mit antisemitischen Parolen Wahlpropaganda zu machen“ aufgerufen. Sie soll am Mittwoch um 17 Uhr in der Reinhardtstraße 14 in Mitte vor dem Sitz der Bundes-FDP beginnen. Der Protest wird auch vom American Jewish Commitee und dem Jüdischen Kulturverein mitgetragen. Zu den Unterzeichnern des Aufrufs gehören unter anderen die DDR-Bürgerrechtlerinnen Bärbel Bohley und Katja Havemann. Es sprechen Alexander Brenner, Vorsitzender der Gemeinde, und Susanne Thaler, Vorsitzende der FDP Dahlem.

Herr Brenner, wollen Sie gegen die FDP oder gegen Jürgen Möllemann demonstrieren?

Nicht gegen die FDP als solche, sondern gegen die Versuche innerhalb der FDP, mit solchen Parolen auf Stimmenfang beim braunen Milieu zu gehen. Die Demonstration ist hauptsächlich gegen Möllemann und seine Sympathisanten gerichtet.

Was wollen Sie mit der Demonstration erreichen?

Wir wollen, so weit es geht, das deutsche Publikum wachrütteln und darauf aufmerksam machen, welche Gefahren drohen, wenn man mit neuem Antisemitismus alte Ressentiments wieder aufleben lässt. Leider ist es so, dass es in Deutschland eine Aufnahmebereitschaft dafür gibt. Ein Teil der Bevölkerung ist für solche Parolen empfänglich und dies ist offensichtlich die zynische Berechnung von Möllemannn und Konsorten. Und wenn heute ein führender deutscher Politiker sagt, dass die Juden selbst für den Antisemitismus verantwortlich sind, so ist das eine Neuauflage der Streicher-Propaganda.

Wie haben Sie Jürgen Möllemanns Äußerung in einem Fernseh-Interview empfunden, Michel Friedman verschaffe dem Antisemitismus mit seiner „intoleranten und gehässigen Art“ Zulauf?

Es geht hier ja nicht um Herrn Friedman, sondern um eine Verleumdung: Der Ermordete ist Schuld.

Glauben Sie, dass eine Demonstration gegen Möllemanns FDP der richtige Weg zu einer besonnenen Diskussion über die Gefahr eines neuen Antisemitismus ist?

Es geht darum, dass die FDP eine alte demokratische Tradition hat. Das hat schon der Protest Hildegard Hamm-Brüchers verdeutlicht. Die Partei kann es nicht zulassen, von einem Möllemann repräsentiert zu werden. Wir verlangen eine klare Distanzierung von Seiten der FDP-Führung und eine Entschuldigung von Jürgen Möllemann gegenüber Michel Friedman.

Das Gespräch führte Amory Burchard

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