Berlin : Wird es Momper oder doch jemand mit Ost-Biografie?

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Erstmals seit 26 Jahren ist die SPD wieder stärkste Fraktion, und deshalb darf sie den Stuhl des Parlamentspräsidenten besetzen. Nur wer dort Platz nehmen soll, ist noch unklar. Eine Persönlichkeit von Format soll es sein. Der Parlamentspräsident ist neben dem Regierenden Bürgermeister protokollarisch der wichtigste Mann. Er muss nicht nur Sitzungen leiten und Chef der Abgeordnetenhaus-Verwaltung sein, sondern auch beim Repräsentieren Figur machen.

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Berlin-Wahl 2001 Heißer Favorit ist Walter Momper, der frühere Regierende Bürgermeister und jetzige Vizepräsident. Er möchte es auch werden. Doch der Abgeordnete Jürgen Radebold (62, Chemie-Ingenieur) macht ihm Konkurrenz - ein Mann mit Ost-Biografie, der sich etwas auf seine Lebenserfahrung zugute hält und zunehmend Gefallen an der Bewerbung findet. So fällt ihm gegen Momper auch das Argument ein, der habe mit seiner Projektentwicklungsfirma mit der Baubranche zu tun. Die Ost-Abgeordneten drängen ohnehin auf ihre stärkere Beteiligung im Sinne der inneren Einheit. Auch Torsten Hilse, 1989 Mitbegründer der Ost-SPD, wurde ins Gespräch gebracht, ebenso die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Karin Seidel-Kalmutzki (Ost). Beide sollen aber schon abgewinkt haben. Erledigt hat sich wohl auch die Kandidatur von Schulsenator Klaus Böger; er will unbedingt Senator bleiben.

Der Kandidat soll erst am 27. November auf Vorschlag von Fraktionschef Michael Müller nominiert werden, also zwei Tage vor der Konstituierung des Parlaments, in der der Präsident gewählt werden muss. Bisher hat Müller niemandem Versprechungen gemacht. "Alles offen", sagt auch Radebold. Hellhörig macht die SPD jetzt, dass der frühere Kultursenator Christoph Stölzl von der CDU als Vizepräsident ausersehen ist. Stölzl kann mit Esprit glänzen. Vorsorglich heißt es also bei der SPD: "Es wird keinen Präsidenten unter Stölzl geben." Also doch Momper? Fraktionssprecher Hans-Peter Stadtmüller sagt, Momper sei ein ernsthafter Anwärter, "und zwar auf Grund seiner Persönlichkeit, seiner Qualifikation und seiner politischen Erfahrung."

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