Berlin : Wirtschaftsstruktur mit Aussicht auf Besserung

Berlin und Brandenburg haben von einem zu viel: öffentliche Verwaltung. Wenn daraus echte Dienstleistung würde, wäre das gut – für die Menschen und die Region

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Berlin (uwe). Wer in Berlin und Brandenburg wohnt und arbeitet, hat zwar in der Regel nicht das Gefühl, besonders gut beschützt zu werden von der Polizei. Oder in besonders ordentlichen Parks und Grünanlagen spazieren zu gehen. Oder seine Kinder in besonders kleine Klassen zu schicken. Trotzdem ist es so. Theoretisch. Berliner und Brandenburger leisten sich eine öffentliche Verwaltung, die personell 1,5fach so gut ausgestattet ist wie die im Durchschnitt der Republik.

So viel Personal sollte reichen, um die Schüler in diesen Ländern besonders sorgfältig und gut auszubilden, Investoren besonders schnell und effizient zu betreuen und Arbeitslose besonders schnell zu vermitteln. Tut es aber nicht. Denn Berlin und Brandenburg haben statt an Personal an anderen Dingen gespart: Sie haben sich Investitionen gespart. Und so ist es immer noch so, dass in den Verwaltungen, Behörden und Polizeiwachen vergleichsweise viele Menschen arbeiten. Die aber sind so damit beschäftigt, zum Beispiel Verwaltungsanweisungen zu tippen oder Akten hin- und herzutragen, dass sie nicht dazu kommen, bürgernah zu sein.

Schlecht für die Bürger, schlecht für das Land. Denn die Wirtschaftsstruktur der beiden Länder ist nicht nur deshalb verzerrt. Berlin noch mehr als Brandenburg leiden unter einer extremen Schwäche in der Industrie und der gewerblichen Produktion. Gut, kann man denken, die Stärken der Zukunft liegen ohnehin in den Dienstleistungen. Das stimmt zwar – aber besonders attraktiv als Arbeitgeber und Steuerbehörden sind unternehmensnahe Dienstleister. Unternehmensberatungen zum Beispiel, Computersystem-Techniker, oder auch kleine, technologieorientierte Problemlöser. Hat eine Region zu wenig Industrie, hat sie auch zu wenig unternehmensnahe Dienstleister.

Beides muss sich ändern, denn: Die Strukturbereinigung ist noch längst nicht zu Ende. Alle Bereiche, in denen beispielsweise Brandenburgs Wirtschaftsstruktur heute noch deutlich stärker ist als der Durchschnitt der Republik, sind Sektoren, die an volkswirtschaftlicher Bedeutung verlieren: In der Landwirtschaft wird spätestens mit der Osterweiterung der Europäischen Union noch einmal ein neuer Schub in den Strukturwandel kommen. Der Bergbau ist – auch wenn das die Politiker der Region noch nicht so sehen – auch ein Auslaufmodell. Auch das Baugewerbe Brandenburgs wird von der Tendenz her weiter schrumpfen.

Und dennoch steht das Land ein bisschen besser da als Berlin: Denn in Brandenburg wird in das verarbeitende Gewerbe, in die Industrie tendenziell investiert. Und damit sind auch die Aussichten für die Dienstleister besser als in Berlin – und als in Deutschland. Das Potenzial für mehr Wachstum und einen entschiedenen Strukturwandel ist in beiden Ländern nach wie vor da – wenn die Behörden in beiden Ländern zu Gunsten von effizienteren und mehr privaten Dienstleistungen schrumpfen würden. Und wenn in Berlin endlich die Unternehmen als Kunden für diese Dienstleistungen eine Chance bekämen.

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