WM 2014 : "Das Wunder von Bern" wird 60

Der Schweizer Botschafter erinnerte an den Sieg der bundesdeutschen Mannschaft bei der Fußball-WM 1954. Zum Empfang kam auch das letzte noch lebende Mitglied des Ungarn-Teams.

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Fest der Erinnerung. Peter Lohmeyer und der Schweizer Botschafter Tim Guldimann bei der Gala, mit der an das „Wunder von Bern“ erinnert wurde. Es trug sich vor 60 Jahren zu. Foto: Eventpress Herrman
Fest der Erinnerung. Peter Lohmeyer und der Schweizer Botschafter Tim Guldimann bei der Gala, mit der an das „Wunder von Bern“...Foto: Eventpress Herrman

Das war eine diplomatische Chance der Extraklasse, und Tim Guldimann, Botschafter der Schweiz, nutzte sie voll aus. Am Freitagabend empfing er rund 550 Gäste zu einer Gala, die an das „Wunder von Bern“ vor 60 Jahren erinnern sollte. Zum Programm gehörten neben „Echoes of Swing“ auch historische Filmaufnahmen vom WM-Finale 1954, aus dem Deutschland mit 3:2 gegen die ursprünglich favorisierten Ungarn als Sieger hervorging. Dieser Sieg von Bern sei die emotionale Geburtsstunde der Bundesrepublik Deutschland gewesen, sagte der Botschafter nach dem zünftigen Anpfiff zum Fest auf fast original anmutendem Fußballfeld-Teppich. Dadurch sei damals ein neues Wir-Gefühl entstanden.

Der Botschafter erinnerte auch daran, wie die Eidgenossen Anfang der 50er Jahre die allseits geächteten Deutschen in den internationalen Fußball zurückholten. Nach allerlei Irritationen über Zuwanderung, Steuer- und Flugverkehrsabkommen, die in den letzten Jahren die Beziehungen zwischen den beiden Ländern belastet hatten, markierte dieser Abend also einen Schritt in eine versöhnlichere Zukunft, die auf guten, alten Fundamenten aufbaut. Das wollten sich auch Prominente wie Außenminister Frank-Walter Steinmeier und der Präsident des Goethe-Instituts, Klaus-Dieter Lehmann, nicht entgehen lassen. Der in seinem Land als Volksredner populäre Schweizer Alt-Bundespräsident Adolf Ogi forderte die Gäste auf, über Fußball „in einer anderen Dimension“ nachzudenken: „Fußball ist die beste Lebensschule.“ Wo sonst könne man Fehler machen, ohne dass es die Karriere stört. Das gehe nur im Sport und in der Kultur. „An diese Schule sollten wir uns anhängen, um eine bessere und friedlichere Welt aufzubauen.“ Dafür begab sich auch der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit mal wieder in Gesellschaft, saß lange zusammen mit dem sozialdemokratischen Stadtpräsidenten von Bern, Alexander Tschäppät, und brachte ihn unter anderem mit dem Präsidenten der Akademie der Künste, Klaus Staeck, und Opernintendant Dietmar Schwarz zusammen.

Star des Abends war der letzte Überlebende der ungarischen Nationalmannschaft von damals, Jenö Buzanszky, dem Botschafter Jozsef Czukor zeitweise als Dolmetscher zur Seite stand. Buzanszky wollte ursprünglich länger in Berlin bleiben, aber die Trauer um seinen gerade verstorbenen Mannschaftskameraden Gyula Grosics zog ihn bereits am Samstag zurück in die Heimat. Die WM-Spiele will er sich auch dort nicht entgehen lassen: „Es gefällt mir, wie die Deutschen spielen.“ Bei Weltmeisterschaften brauche man allerdings auch „Glück und einen guten Schiedsrichter“.

Wie der alte Spieler ließ sich auch Moderator Günther Jauch zeitweise in einem Nebenraum nieder, wo alte Spiele gezeigt wurden, darunter eines von 1921. Das aktuelle Spiel flimmerte derweil über mehrere große Bildschirme im Zelt. Gleichzeitig plaudern und gucken konnten so Schauspieler Peter Lohmeyer, Staatssekretär Ralf Brauksiepe, Designerin Nanna Kuckuck und die Politiker Renate Künast und Michael Cramer, der zum ersten Mal in seinem Leben ein Fußballspiel im Fernsehen verfolgte, als das Wunder von Bern geschah.

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