WM 2014 und Schulpflicht in Berlin : „Unausgeschlafene Kinder sind bei uns keine Besonderheit der WM“

Auch die Schüler der Silberstein-Schule in Neukölln wollen kein WM-Spiel verpassen. Ein Lehrerin erzählt, wie sie mit müden Kindern umgeht, und was die Schule darüber hinaus während der WM organisiert hat

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Kinder im WM-Fieber: Da kann es auch mal spät werden. Darunter leidet oft die Schule.
Kinder im WM-Fieber: Da kann es auch mal spät werden. Darunter leidet oft die Schule.Foto: dpa

Fußballbegeisterung macht auch vor Kindern nicht halt. Seit Wochen sammeln viele Stickerbilder, kennen alle Fußballernamen vorwärts und rückwärts und lernen nebenbei auch was – Abseitsregeln, Landesflaggen, Fangesänge.

Klar, dass sie dann auch bitteschön die Spiele anschauen wollen, auch wenn die erst spät am Abend übertragen werden. Das verträgt sich allerdings nur bedingt mit der Schulpflicht.

Einige Schulen wollen deshalb in den WM-Wochen etwas flexibler mit dem Unterrichtsbeginn umgehen, vielleicht ein bisschen später anfangen. Die Bildungsbehörden in Berlin und Brandenburg stellen das den Schulen frei. Wir haben uns mal in Neukölln umgehört.

Frau Philipp-Habicht, WM in Brasilien – wie fühlt sich das an der Neuköllner Silberstein-Schule an?

Bei uns ist richtig was los! Die Kinder sind sehr fußballaffin, auch viele Mädchen. Sie spielen in der Pause auf unserem Fußballplatz neben dem Schulhof. Und wir machen jetzt eine Projektwoche, sie heißt „Fußball-WM in Brasilien“.

Eine ganze Woche nur Fußball?
Nein. Viel mehr als das: Alle Schüler von der ersten bis zur sechsten Klasse werden jeden Tag einen anderen Kurs besuchen und dabei Samba kennenlernen, das brasilianisches Trommeln und den Capoeira, einen brasilianischen Kampftanz, außerdem natürlich Fußball spielen. Dann werden wir zum Thema „Indianer im Regenwald“ eine künstlerische Arbeit anfertigen, werden Musikinstrumente bauen, uns mit der Geschichte Brasiliens beschäftigen und mit dem Problem der Straßenkinder. Und auf Brasilianisch gekocht wird auch.

Foto: privat
Foto: privatBeatrice Philipp-Habicht, 60, ist Klassenlehrerin einer fünften Klasse an der Silberstein-Grundschule in Neukölln.

Viele Kinder gehen während der WM spät ins Bett. Nehmen Sie Rücksicht?
Einige Schüler gehen sowieso spät ins Bett, weil sie im Kinderzimmer einen Fernseher haben oder weil der Fernseher ständig im Wohnzimmer dudelt. Unausgeschlafene Kinder sind bei uns keine Besonderheit.

Dann haben Sie nicht überlegt, während der WM später mit dem Unterricht anzufangen?
Nein, das wurde bei uns gar nicht diskutiert, da wir als Grundschule unsere Kinder sowieso ab 7.30 Uhr betreuen.

Nutzen Sie Ihren Fußballplatz auch für Wettbewerbe oder nur in der Pause?
Jedes Jahr gibt es bei uns eine Mini-WM für alle Klassen. Die wird auf unserem Fußballplatz ausgetragen. Das ist schon eine richtige Tradition. Es gibt außerdem Fußball-AGs in den einzelnen Klassenstufen. In diesem Rahmen finden auch Turniere statt.

Das Gespräch führte Susanne Vieth-Entus.

Wer erleben möchte, was die Silberstein-Kinder über Brasilien gelernt haben, kann dabei sein, wenn die Projektwoche am Freitag, den 20. Juni, von 9 bis 12 Uhr mit einem kleinen Fest ausklingt (Silbersteinstraße 42, Neukölln).


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