Berlin : Woche der Liebe zur Not auch ohne Love Parade

Clubs organisieren Neuauflage der Love Week In der Szene kursiert ein Aufruf zur „L-Parade“ 2006

Björn Seeling

Die Fotos im Internet unter www.loveparade.de könnten schöner nicht sein: junge Menschen im Techno-Taumel. Die Love Parade 2005 sei ein voller Erfolg gewesen, heißt es im Begleittext. Love Parade 2005? Ja, die von Mexiko. Am 19. März walzte sie durchs Pazifikbad Acapulco. Nachrichten aus einer anderen Stadt, die zwar auch einige Strände zu bieten hat, aber vor allem als Geburtsort der Love Parade bekannt ist, fehlen hingegen. Was es aus Berlin zu melden gäbe, passte auch so gar nicht zum schönen „Friede, Freude, Eierkuchen“-Image des Spektakels.

Denn nicht nur der mögliche Hauptsponsor, der Elektronikkonzern Samsung, konnte nicht mehr hören, was aus dem Firmensitz der Love Parade GmbH in der Friedrichstraße 119 drang. Auch ein anderer potenzieller Geldgeber hat sich am Mittwoch definitiv verabschiedet: der Handyhersteller Sony-Ericsson. „Die Love Parade ist zwar eine schöne Veranstaltung, aber das Konzept passt nicht zu unserer Marketinstrategie“, sagt eine Konzernsprecherin. Damit sinken auch die Chancen, dass sich ein dritter Finanzier einspannen lässt. Bis Mittwoch wollte sich das Unternehmen aus der Kommunikationsbranche entscheiden, ein Ergebnis gab es bis gestern jedoch noch nicht.

Derweil prüfen die Betreiber der Sattelschlepper, deren phonstarke Ladung die Parade erst zur Parade macht, eine eigene Veranstaltung – allerdings erst im Jahr 2006, und zwar zum Termin des WM-Eröffnungsspiels in München. In einem Aufruf, der in der Szene kursiert, ist die Rede von einer „L-Parade“. Sie soll am ersten Juni-Wochenende an den Start gehen, wenn die Parade 2005 ausfallen sollte.

Auch Berlins Clubs und Diskotheken, die an den restlichen 364 Tagen ohne Love Parade das Nachtleben am Laufen halten, planen derweil schon mal ohne die Parade. Sie wollen die „Love Week“ neu auflegen. Diese war 2004 ins Leben gerufen worden, als der Umzug zum ersten Mal entfallen war. Damals gab es rund um das zweite Juli-Wochenende, dem traditionellen Termin der Love Parade, mehr als 100 Veranstaltungen. Auf die Beine gestellt wurden sie von der Club Commission. „Die Love Week war ein exzellentes Format“, heißt es bei der Organisation, in der sich zahlreiche Berliner Clubs zusammengeschlossen haben. Natürlich sei eine erneute Absage der Love Parade „sehr schade“ und reiße eine „große Lücke“. „Wir brauchen aber Planungssicherheit, um Events und Konzepte zu entwickeln.“

Auf Planungssicherheit pocht auch der Rundfunk Berlin-Brandenburg, der früher von der Strecke berichtet hatte. Einen Programmplatz für dieses Jahr gibt es noch nicht, ebenso wenig Gespräche mit den Veranstaltern. „Wenn es klar ist, dass die Love Parade stattfindet, treten wir in Verhandlungen“, sagte RBB-Sprecher Volker Schreck. Zudem müsse klar sein, wer der Ansprechpartner bei den Veranstaltern ist – seit Monaten ist der Chefposten bei der Love Parade GmbH unbesetzt.

Unterdessen richten sich Technofans aus ganz Europa darauf ein, am Love-Parade-Wochenende in Berlin einzuschweben. Billigflieger Easyjet registriert bereits erhöhte Buchungszahlen. „Besonders in London, Liverpool, Paris und Madrid sind deutlich mehr Tickets verkauft worden als an den Wochenenden vor und nach der Parade“, sagt Firmensprecher Oliver Aust. „Da wollen Bewohner aus Partystädten fliegen.“ Kein Wunder, dass sich Easyjet nun für die Parade ausspricht: „Ganz Europa war fast neidisch auf Berlin“, sagt Airline-Sprecher Aust. Im Falle einer Absage sieht er schwarz: „Wenn die Party jetzt zum zweiten Mal ausfällt, dann ist sie im Ausland für immer erledigt.“ Da läge es doch nahe, wenn sich Easyjet, inzwischen ein großer Arbeitgeber in Berlin, für die Love Parade nicht nur ideell einsetzt. Doch da hört die Begeisterung auf. Easyjet-Sprecher Aust: „Sponsoring ist nicht unser Vertriebskanal.“

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