Wohnungslose : Mehr Obdachlose aus Osteuropa betreut

Immer mehr Menschen aus Osteuropa werden obdachlos. Die Berliner Stadtmission will sie von der Straße holen.

Wenn Arthur Darga abends das Fahrzeug der „mobilen Sommerhilfe“ der Berliner Stadtmission besteigt, um zu Berliner Wohnungslosen zu fahren, trifft er immer häufiger auf Menschen aus Osteuropa. „Sie sind ins Ausland gegangen, um Geld zu verdienen“, sagt Darga. Doch der Traum von einem besseren Leben platzte. Nun leben die Menschen aus Polen, Russland oder der Ukraine mittellos auf den Straßen der Hauptstadt. „Sie schämen sich, als Gescheiterte in ihre Heimat zurückzukehren.“ Fast 40 Prozent der von der Kältehilfe im letzten Winter Betreuten kamen aus Osteuropa. „Ihr Schicksal ist noch nicht genügend im Bewusstsein der Verantwortlichen verankert.“

Seit Anfang April ist Darga gemeinsam mit einem Praktikanten auf den Straßen Berlins unterwegs. Sie besuchen Obdachlose, und ähnlich wie der Kältebus im Winter fahren sie Hilfsbedürftige zu Notübernachtungen, bieten einen Kaffee an und hören die Sorgen der Wohnungslosen. Denn die Menschen auf der Straße benötigten auch im Sommer Hilfe, unterstreicht der Leiter der ganzjährigen Notübernachtung in der Franklinstraße, Jürgen Mark. „Wir wissen, wie dramatisch die Hitze für Menschen in Seniorenheimen ist – wie viele Wohnungslose durch die Hitze auf der Straße kollabieren, wissen wir nicht.“ Während Winter für Winter die Kältetoten gezählt werden, habe sich um die Wärmetoten nie jemand gekümmert.

Und auch für die Obdachlosen aus Osteuropa gibt es nur wenig funktionierende Hilfsangebote, sagt die Bereichsleiterin der Wohnungslosenhilfe der Berliner Stadtmission, Karin Holzinger. Weil die Menschen nicht in Deutschland gemeldet seien, fielen sie oft durch das ansonsten gut funktionierende soziale Netz. Die Berliner Stadtmission bemüht sich nach eigenen Angaben um Einzelfallhilfe, und unterstützt die Betroffenen zusammen mit Hilfsorganisationen in ihren Heimatländern bei einer Rückkehr. bel

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