Berlin : Wolfgang Branoner im Gespräch: "Manche Landwirte kenne ich seit 30 Jahren"

Herr Branoner[als Wirtschaftssenator sind Sie gew]

Herr Branoner, als Wirtschaftssenator sind Sie gewissermaßen auch Berlins Landwirtschaftsminister. Wann waren sie zum letzten Mal auf einem Bauernhof?

Vor zwei Wochen.

Zum Eier kaufen?

Und Milch. Meine Familie hat mich losgeschickt, ich solle etwas besorgen. Ich mache das gelegentlich und fahre dann zum Hof der Familie Mendler in Rudow. Die kenne ich seit ungefähr 30, 35 Jahren, als sie ihren Betrieb noch mitten in der Stadt, in der Steinmetzstraße in Schöneberg, hatte. Die Mendlers hatten damals drei, vier Kühe. Die Tiere standen in einem Quergebäude in einem Hinterhof und deren Milch hat die Familie verkauft.

Haben Sie jemals einen der Berliner Bauernhöfe dienstlich besucht?

Natürlich, zuletzt am Ende des vergangenen Jahres. Da habe ich mir einige Betriebe auf den Berliner Stadtgütern in Brandenburg angesehen. In Brandenburg besitzt das Berlin ja riesige bewirtschaftete Flächen. Und dienstlich war ich bei Mendlers zum letzten Mal beim Erntedankfest im Oktober.

Wie viele Bauernhöfe gibt es derzeit in Berlin?

Es gibt hier ungefähr 50 landwirtschaftliche und gärtnerische Betriebe, die nicht nur verkaufen, sondern selber produzieren.

Sind die wichtig für Berlin?

Ja. Aber nicht wegen ihrer Produkte oder wegen der Umsätze.

Warum sonst?

Sie haben eine Bedeutung, weil sie Flächen freihalten und Naturschutz betreiben. Außerdem sind sie wichtig für den Tourismus innerhalb der Stadt. Das war noch wichtiger im ehemaligen West-Berlin, als die Stadt noch geteilt war. Aber auch heute ist zum Beispiel das Gut Lübars im Norden der Stadt ein wichtiges Besucherziel. Und einige Betriebe kooperieren mit den Hochschulen und Universitäten der Stadt. Es gibt also eine wissenschaftliche Begleitung der landwirtschaftlichen Produktion.

Gibt es eine Spezialisierung der Berliner Bauern?

Nein. Es sei denn, wenn es darum geht, eine städtische Nachfrage zu bedienen. Außerdem sind die Berliner Bauern sehr häufig Nebenerwerbslandwirte, vermieten zum Beispiel ihr Ställe.

Die städtische Nachfrage - wie sieht die aus?

Die Städter fragen ökologische und besonders frische Produkte viel stärker nach. Jedenfalls stärker als die Menschen in Lüchow-Dannenberg, zum Beispiel.

Am 26. Januar gibt es auf der Grünen Woche einen Berlin-Tag. Was wird da passieren?

Wie in jedem Jahr werden wir dort etwas über den Verbraucherschutz sagen. Man wird etwas darüber erfahren, was der Handel und die Innungen angesichts der Rinderseuche BSE tun. Die Berliner Bauern werden sich präsentieren. Und wir werden deutlich machen, dass man selbst in Berlin Landwirtschaft betreiben kann und dass das gut ist für die Stadt.

Wie viele Höfe wird es in zehn Jahren in Berlin noch geben?

Genau so viele wie jetzt.

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