Berlin : "World Spine 1": Geringeres Risiko bei Gehirnoperationen

Adelheid Müller-Lissner

"World Spine 1" heißt der erste Weltkongress für Wirbelsäulenmedizin, der von Sonntag an bis zum 1. September im ICC stattfinden wird. 1200 Teilnehmer aus 80 Ländern werden erwartet. "Die Zeit ist reif für eine solche interdisziplinäre Veranstaltung" sagte Kongresspräsident Professor Mario Brock gestern bei der Vorstellung des Programms, zu dem als besondere Highlights Vorträge zu Regenerationsmöglichkeiten von Nerven im Rückenmark, aber auch über Fehlschläge bei Rückenoperationen gehören.

Zu den besonderen "Leckerbissen", die der Direktor der Neurochirurgischen Klinik und Poliklinik des Steglitzer Universitätsklinikums Benjamin Franklin bei dieser Gelegenheit vorstellte, gehörte neben einer ganzen Palette neuer Schrauben, Platten und Spezialdübel und der Weiterentwicklung der "Schlüsselloch"-Chirurgie bei Bandscheibenvorfällen auch die Weltpremiere eines besonderen Überwachungsgeräts zum Neuromonitoring. Mit Geräten dieser Art werden während einer Operation von Gehirn oder Wirbelsäule zum Beispiel am Bein elektrische Reize gesetzt. Wenn die Nerven bei dem Eingriff zu sehr gedrückt werden und die Durchblutung abfällt, äußert sich das in einer Verlangsamung der abgeleiteten Wellen. Der Chirurg weiß, dass er Korrekturen vornehmen muss.

Ganz besonders stolz ist man in Brocks Klinik jedoch auf ein anderes Gerät, das hier entwickelt wurde und von dem es weltweit erst vier Exemplare gibt. Schon seit einiger Zeit ist man bei vielen Gehirnoperationen "vom Sichtflug zum Instrumentenflug übergegangen", wie der Neurochirurg erklärte. Für die sogenannte Neuronavigation, mit der wichtige Funktionszentren des Gehirns sicher umschifft werden können, werden mit der Kernspin-Tomographie gewonnene Schichtaufnahmen des Gehirns in den Computer eingespeist. Vor der Operation werden Marker am Kopf des Patienten befestigt. So "kennt" der Computer den genauen Aufenthaltsort des Instruments, das der Operateur bewegt. Neu an dem vorgestellten System ist jedoch die elektromagnetische Steuerung, die gegenüber Störungen wenig anfällig ist. Nach zweijähriger Entwicklungszeit wird das Gerät nun seit einem halben Jahr routinemäßig bei Gehirnoperationen eingesetzt. In der Erprobung ist es noch für Eingriffe an der Wirbelsäule, bei denen kleinste Lageveränderungen des Patienten immer wieder Korrekturen der Daten erforderlich machen. Das Navigationsgerät macht keine neuartigen Operationen möglich, es dient allein dazu, die Sicherheit zu erhöhen. Besonders wichtig ist das, wenn Knochenkanäle durchbohrt werden müssen, ohne Nerven oder Rückenmark zu verletzen. Probleme mit der Wirbelsäule sind ein Jahrtausende altes Leiden der Menschheit. "Bei Ausgrabungen fand man, dass schon die Pharaonen verformte, beschädigte Wirbelsäulen hatten", sagte Brock.

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