Berlin : Wowereit auf Humboldts Spuren

Am Sonnabend reist der Regierende Bürgermeister mit Kultursenator Thomas Flierl zum einwöchigen Besuch nach Mexiko-Stadt

Ulrich Zawatka-Gerlach

Auch wenn Klaus Wowereit der erste Regierende Bürgermeister ist, der Mexiko in offizieller Mission besucht – die Pionierarbeit haben andere geleistet. Der erste Berliner, der das mittelamerikanische Land bereiste, hieß Alexander von Humboldt. Er ging 1803, vor genau 200 Jahren, in Acapulco an Land und blieb ein Jahr, um die weithin unbekannte Kolonie „Neu-Spanien“ zu erforschen. Später wurde ihm die mexikanische Staatsbürgerschaft verliehen und in Mexiko-City steht ein großes Humboldt-Denkmal. Soviel Ehre wird Wowereit sicher nicht zuteil werden.

Der Anlass der einwöchigen Reise, die am Sonnabend beginnt: Seit zehn Jahren sind Berlin und Mexiko-City Städtepartner. Während der Funkausstellung 1993 hatten die Stadtoberhäupter eine „Gemeinsame Erklärung über Partnerschaftliche Zusammenarbeit“ unterschrieben. Der feierliche Akt wurde aber nur per Satellitenübertragung zu einem gemeinsamen Erlebnis. Seitdem reisen Künstler, Schüler und Verwaltungsbeamte regelmäßig hin und her. Doch die Bürgermeister beider Städte blieben zu Hause.

Das soll sich jetzt ändern, denn Städtepartnerschaften lassen sich nicht zwischen Aktendeckeln festklopfen. Sie leben von der menschlichen Begegnung. Vorbildlich ist der Schüleraustausch zwischen dem Heinrich- Schliemann-Gymnasium in Prenzlauer Berg und dem „Colegio Alemán Alexander von Humboldt“ in Mexiko-Stadt. Für drei Monate besuchen Schüler ab der 11. Klasse jedes Jahr die Partnerschule. Auch der Kulturaustausch zwischen Berlin und Mexiko-City kann sich sehen lassen. Fotografen und Maler stellen aus; Theater, Opern und Orchester spielen. In diesem Monat reisen das Deutsche Theater und die Volksbühne nach Mexiko. Vor einem Jahr kamen mexikanische Künstler nach Berlin. Austauschprojekte mit blumigen Namen: MEXartes, culturALE werden organisiert. Nicht zu vergessen die Azteken-Ausstellung im Martin-Gropius-Bau. Im Gegenzug wird das Ägyptische Museum 2005 seine Schätze in Mexiko-City zeigen.

Diese Städtepartnerschaft hat aber auch prosaische Seiten. Die mexikanische Hauptstadt, mit 25 Millionen Einwohnern der größte Ballungsraum der Welt, hat Riesenprobleme mit dem Verkehr und der Abfallbeseitigung. Die Luft ist schlecht und das Wasser auch. Seit 1996 bieten die Berliner Wasserbetriebe ihr Know-how an; zur Messung der Luftgüte in Mexiko-City läuft ein Pilotprojekt; die Verkehrsexperten tauschen Erfahrungen aus. Aber machen wir uns nichts vor: Die Kooperation im kommunalen Bereich ist noch sehr ausbaufähig. Mit anderen Partnerstädten – wie Moskau und Paris – wird auf der Verwaltungsebene sehr viel intensiver kooperiert. Aber die sind auch näher dran.

Was macht Wowereit, wenn er mexikanischen Boden betritt? Er hilft zum Beispiel mit, die „Woche des deutschen Theaters“ und das „Festival Cervantino“ zu eröffnen. „Endstation Amerika“ wird gegeben – und „Die Eroberung Mexikos“. Kultursenator Thomas Flierl (PDS) ist mit von der Partie, aber den Vortrag über die Kulturmetropole Berlin hält Wowereit. Daneben wird er sich mit diversen Bürgermeistern gesprächsweise in die kommunalpolitischen Niederungen begeben: Vom Abwasser bis zur wirtschaftlichen Entwicklung reicht die Themenpalette. Klaus Wowereit wird nicht nur Mexiko-City besuchen, sondern auch die Städte Guanajuato (wo die Spanier viel Gold und Silber schürften) und Toluca (liegt fast so hoch wie die Zugspitze).

Natürlich wird der Regierende Bürgermeister die Pyramiden von Teotihuacán besichtigen und sich die „schwimmenden Gärten“ in Xochimilco anschauen. So viel Spaß muss sein. Acapulco und Cancún bleiben ausgespart. Ein Badeurlaub soll es nicht werden.

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