Berlin : Wowereit bietet Vermittlung an im Streit um 17.-Juni-Fototafeln

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Als Provisorium waren sie gedacht, inzwischen ist ein Jahr vergangen und die Fototafeln hängen noch immer an zwei Außenwänden des Bundesfinanzministeriums in Mitte: Szenen des Arbeiteraufstands am 17. Juni 1953, schwarzweiß und großformatig. Zum Ärger des Hausherren. Hans Eichel wollte die Bilder nicht an seiner Fassade haben. Aber zum 50. Jahrestag des Arbeiteraufstands im vergangenen Jahr billigte er der „Arbeitsgemeinschaft 13. August“ zu, die Tafeln für zwei Wochen aufzuhängen. Nach Ablauf der Frist nahm die Arbeitsgemeinschaft sie nicht, wie vertraglich vereinbart, ab. Das Bundesvermögensamt klagt nun.

Juristisch ist der Fall eindeutig: die Arbeitsgemeinschaft hat keine Chance. Das zweifelt nicht einmal deren Sprecherin an – Alexandra Hildebrandt, die streitbare Chefin des CheckpointCharlie-Museums. Bleiben Sachargumente. Es gibt an der Ecke Leipziger/Wilhelmstraße ein offizielles Mahnmal: eine in den Platz eingelassene Glasplatte, die das mehrfach vergrößerte, vervielfältigte und grob gerasterte Foto protestierender Bauarbeiter zeigt. Vor vier Jahren wurde es eröffnet. Und die langwierigen politischen und moralischen Streitereien um die „richtige“ Form des Gedenkens an den Arbeiteraufstand 1953 schienen beendet. Doch die Arbeitsgemeinschaft hält das offizielle Mahnmal für unzureichend, die Glasplatte im Boden falle kaum auf. Anders als die Fototafeln an einer Gebäudewand.

Mit einem Denkmal, das man auch von weitem gut sehe, rege man mehr Leute zum Nachdenken an. Das sagt Frau Hildebrandt, das sagen Passanten, die sich das Denkmal am 17. Juni, vor wenigen Tagen also, ansahen. Das sagt auch die SPD Mitte. Ähnliche Töne hört man aus der Senatsverwaltung. Offiziell äußern will man sich zu diesem Thema aber derzeit nicht. „Das ist eine Sache zwischen dem Bundesfinanzminister und Frau Hildebrandt. Wir mischen uns nicht ein“, sagt ein Sprecher des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit. Andererseits: Wenn man darum gebeten werde, könne man sich durchaus vorstellen, zwischen den Positionen zu vermitteln. mne

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