• Wowereit sperrt sich nicht gegen eine Barock-Fassade Gespräch mit dem Bundeskanzler über den Schloßplatz

Berlin : Wowereit sperrt sich nicht gegen eine Barock-Fassade Gespräch mit dem Bundeskanzler über den Schloßplatz

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Schlossfassade oder nicht? Bundeskanzler Gerhard Schröder will morgen im Roten Rathaus bei einer gemeinsamen Sitzung des Bundeskabinetts (Ausschuss Neue Länder) mit dem Senat die weitere Zukunft der Historischen Mitte Berlins erörtern. Es wird zur Erleichterung der Landesregierung um Bundesgelder für die Sanierung der Museumsinsel gehen, auch um den Schloßplatz und sein trauriges Aussehen. Dort konnte sich der Bundeskanzler schon vor zwei Jahren, als er aus dem Fenster seines damaligen Amtes im ehemaligen Staatsratsgebäude blickte, ein wiederaufgebautes Schloss vorstellen. Inzwischen hat die Expertenkommission Historische Mitte einen Neubau mit drei barocken Schlossfassaden empfohlen, und diese architektonische Variante stößt im Bundeskabinett auf mehr Wohlwollen als im Senat.

Beide Seiten sind Grundstückseigentümer von Palast und Platz, und sie müssen sich einigen, wie es weitergeht. Der Bund dürfte die Richtung vorgeben. Zumindest ein Beschluss über den Abriss des bundeseigenen Palastes der Republik, dessen Asbest-Sanierung in wenigen Wochen beendet wird, gilt als wahrscheinlich. Im nächsten Monat, vor der Sommerpause, wollen sich Bundeskabinett und Senat in getrennten Sitzungen erneut mit dem Schloßplatz beschäftigen.

Gegen eine Schlossfassade werde sich der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit „nicht sperren“, wenn ein Investor unbedingt eine derartige Fassade haben wolle, betonte gestern Senatssprecher Michael Donnermeyer. Berlin könne bei dem Projekt finanziell nicht einsteigen, und auch die Beteiligung des Bundes sei nicht geklärt. Am Wochenende hatte es Berichte über eine Einigung zwischen Bund und Berlin über die Herstellung barocker Fassaden gegeben, was von Berliner Seite schnell dementiert wurde. Wowereit gilt als Gegner von Schlossfassaden, er will einen modernen Bau, ebenso wie Stadtentwicklungssenator Peter Strieder.

Die Fassadenfrage sei zweitrangig, erst müsse die Nutzung des Geländes und die Finanzierung geklärt sein, hieß es gestern auch im Bundesministerium für Verkehr-, Bau- und Wohnungswesen, das die Arbeit der Expertenkommission organisiert hatte.

Das Gremium, Vorsitzender war der österreichische Europa-Abgeordnete Hannes Swoboda, stellte Mitte April nach 15-monatiger Arbeit seine Empfehlungen vor. Der architektonische Vorschlag war mit knapper Mehrheit zustandegekommen. Als Nutzung regte es die Übersiedlung außereuropäischer Sammlungen Dahlemer Museen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, die Ausstellung wissenschaftlicher Lehr- und Kunstsammlungen der Humboldt-Uni und die Zusammenführung der beiden Standorte der Zentral- und Landesbibliothek an. Ferner wurde eine „Agora“ oder auch ein „Humboldt-Forum“ als öffentlicher Treffpunkt empfohlen. Die Kommission ermittelte Kosten von 670 Millionen Euro und machte deutlich, dass ein Großteil aus öffentlichen Kassen kommen müsse, etwa aus Erlösen von Verkäufen nicht benötigter Grundstücke der möglichen Nutzer. Unklar ist auch, wie sie ihre Platzansprüche klären. Nach Informationen aus dem Bundesbauministerium soll bei der morgigen Sitzung vor allem über Schlussfolgerungen aus den Kommissionsempfehlungen gesprochen und die weitere Verfahrensweise geklärt werden.C. v. L.

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