Berlin : Wowereits Kunsthalle wackelt schon

In der SPD-Fraktion sieht nicht jeder den Sinn des Vorhabens ein – auch die Linksfraktion hält wenig von dem Ausstellungsbau

Werner van Bebber

Sie hat mächtige Freunde in der SPD, doch damit ist die neue Kunsthalle am Humboldthafen noch nicht gebaut. Auch wenn sich Klaus Wowereit für das Neubauvorhaben einsetzt, gibt es doch kräftige Widerstände in der Fraktion. Die Gegner seien „ziemlich stark“, sagte am Montag ein Fraktionsmitglied. Ganz zu schweigen vom Koalitionspartner: In der Linksfraktion äußern sich derzeit nur Kritiker des Projekts.

Das liegt nicht nur an den notwendigen Investitionen. Etwa 30 Millionen Euro soll das Ausstellungsgebäude kosten – wenn dann irgendwann losgebaut wird. Bei den Beratungen des Etatentwurfs vor einer Woche hieß es, die Kunsthalle werde frühestens 2014 eröffnet. Im Doppelhaushalt 2010/2011 sind 600 000 Euro für Planung und Prüfung vorgesehen.

Die SPD-Abgeordneten, die das Vorhaben skeptisch sehen, kritisieren das als eine Vorentscheidung über den Umgang mit dem Gelände. Immerhin habe sich kein privater Partner für den Bau einer Kunsthalle auf der landeseigenen Liegenschaft gefunden, als Wowereit vor Monaten dafür warb, sagt einer. Das könne Gründe haben, mit denen man sich befassen müsse.

Wowereit hat sich schon in den Richtlinien der Regierungspolitik 2006 dafür ausgesprochen, einen „Präsentationsort“ für die zeitgenössische Kunst zu schaffen. Das Quartier Heidestraße mit dem Hamburger Bahnhof und den dort schon eröffneten Galerien ist nach seiner Auffassung der richtige Standort für eine Halle mit 2000 Quadratmetern Ausstellungsfläche. Dort könnten die Werke von Künstlern ausgestellt werden, die es noch nicht in die Museen geschafft haben. Brigitte Lange, kulturpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, stellt sich außerdem vor, dass dort junge Kunst auch jungen Leuten, Schülern zum Beispiel, nahegebracht werden könnte.

Längst sei die bildende Kunst ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in Berlin, sagt der SPD-Abgeordnete Frank Zimmermann und nennt damit ein weiteres Argument für die Kunsthalle.

Doch gibt es offenbar auch viele in der SPD-Fraktion, die die Notwendigkeit des Kunsthallenbaus nicht sehen. Man gebe gern Geld für die sanierungsbedürftige Maschinerie der Staatsoper, heißt es zum Beispiel. Doch verfüge Berlin mit den Kunstwerken in Mitte oder auch mit der Berlinischen Galerie über Gebäude, die sich durchaus mit zeitgenössischer Kunst befassten, heißt es. Der SPD-Haushaltspolitiker Stefan Zackenfels will deshalb das Projekt „in Ruhe im Herbst noch mal ansehen“, wenn die zweite Steuerschätzung den Finanzfachleuten sagt, wie viel Geld in den kommenden Jahren im Landeshaushalt fehlen wird.

Ähnlich bewertet der kulturpolitische Sprecher der Linksfraktion Wowereits Kunsthallenpläne. „Ich sehe den Sinn dieser Übung momentan nicht ein“, sagt Brauer. Er könne nicht erkennen, dass Berlin „gerade jetzt“ eine neue Kunsthalle brauche, während andere Kultureinrichtungen „unterfinanziert“ seien. Brauer sagt den Sozialdemokraten „fundamentale Auseinandersetzungen“ über die Kunsthalle voraus.

Die Haushaltsfachfrau der Linkspartei, Jutta Matuschek, hält offenbar auch nichts von den SPD-Werbeargumenten mit dem Wirtschaftsfaktor Kunst. Für sie stellt sich die Frage, wofür man 30 Millionen Euro ausgeben könnte, wenn man sie nicht in eine neue Kunsthalle investiert.

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