Berlin : Zahlen halten jung

Ex-Finanzsenator Striek wird 85 – und arbeitet als Steuerberater

Brigitte Grunert

Das liebe Geld lässt ihn nicht los. Heinz Striek war Bankangestellter, Steueroberinspektor, Senatsdirektor und Senator für Finanzen. Seit 1976 ist er Steuerberater. Am heutigen Sonntag wird er 85, aber von Feierabend ist keine Rede. Er braucht die Arbeit mit den aufregenden Zahlen. Sie ist sein Lebenselixier. Den Urberliner merkt man dem liebenswürdig zurückhaltenden Striek nicht an. Die Klangfarbe blitzt höchstens auf, wenn er „fumfzich“ sagt, „fumfzich vom Hundert“. Aber wer mit ihm zu Hause in Nikolassee plaudert, merkt sofort, dass er zum politischen Urgestein der Stadt gehört. Das waren noch Zeiten, da er als Senator seine „wichtigste Aufgabe“ spielend löste. Kein Bundesfinanzminister geizte mit der Bundeshilfe zum Landeshaushalt, „aber am einfachsten war es mit Franz-Josef Strauß“. Der drohte ihm nur 1968 polternd mit Kürzungen wegen der APO-Demos am Ku’damm. Da hielt ihm Striek das Schwabinger Treiben vor, und Strauß wurde wieder freundlich.

Gewiss, Striek mahnte auch zum Sparen. einmal kündigte er sogar seinen Rücktritt an, „wenn die Bundeshilfe fumfzich Prozent des Landeshaushalts überschreitet“. Aber sein Rücktritt 1975 hatte andere Gründe, und zwar hochnotpeinliche im Zusammenhang mit der Filzaffäre um das Pleiteprojekt Steglitzer Kreisel, für das der Senat mit 40 Millionen Mark bürgte. Striek stand unter Anklage der uneidlichen Falschaussage vor dem Kreisel-Untersuchungsausschuss. Der Prozess endete mit seinem Freispruch.

Ein anderes Erlebnis, das ihn bis heute belastet, hatte mit dem 17. Juni 1953 zu tun. Striek war damals Grenzgänger. Er wohnte in Friedrichshain, war vom Finanzamt Tiergarten als Abteilungsleiter zum DGB gewechselt und gehörte dem Gesamtberliner SPD-Landesausschuss an. Für den DGB betreute er Ost-Berliner Kollegen nach ihrer Beteiligung am Aufstand. Aber einer seiner Briefe mit 100 Mark West fiel der Stasi in die Hände. Der Adressat wurde verhaftet und kehrte nie zurück. Striek fühlte sich „mitschuldig“.

Kaum hatte er sich mit seiner Familie im Westen in Sicherheit gebracht, begann seine Karriere im Schöneberger Rathaus. 1954 wurde er Abgeordneter, 1957 Fraktionsgeschäftsführer. Nun stand er mit Willy Brandt auf Du und Du. Er hielt Brandt das politische Klein-Klein vom Leibe, denn Fraktionschef Alexander Voelker hatte als Bewag-Direktor zu tun. Seit 1962 diente er dann mehreren Finanzsenatoren der CDU und FDP als Senatsdirektor. Unter Heinrich Albertz und Klaus Schütz war er acht Jahre Finanzsenator.

Der Sturz schadete seinem Ansehen nicht. Ausgezeichnet mit dem Großen Bundesverdienstkreuz und dem Ehrentitel Stadtältester schied er 1985 aus dem Parlament aus. Aber er wirkte ehrenamtlich weiter. Vor zwei Jahren ehrte ihn die Jüdische Gemeinde mit dem Heinrich-Stahl-Preis für seine Verdienste um die Deutsch-Israelische Gesellschaft, an deren Spitze er viele Jahre stand. Und Hertha BSC hat er als langjähriger Vizepräsident und Schatzmeister durch finanzielle Schwierigkeiten gelotst. Heute genießt er die Geburtstagsfeier im engsten, aber riesengroßen Familienkreis. Strieks haben drei Kinder, acht Enkel und acht Urenkel. „An meiner Familie geht die BfA nicht pleite“, rechnet er augenzwinkernd vor.

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