Berlin : Zehlendorf: Nur 20 Beschwerden nach Sperrung

Klaus Kurpjuweit

Etwa 40 000 Fahrgäste waren vor Beginn der Bauarbeiten auf der Wannseebahn mit der S-Bahn täglich unterwegs, aber nur 20 haben sich nach der Sperrung vor einem Monat direkt bei der S-Bahn beschwert. Viel mehr müssen es auch nicht werden, denn die Arbeiten befinden sich nach Angaben des Leiters der Bauüberwachung, Reinhard Oertner, "voll im Zeitplan". Allerdings kommt der große Brocken erst noch.

Während bisher "nur" die Strecke zwischen Sundgauer Straße und Rathaus Steglitz unterbrochen ist, werden vom 9. Juli an bis einschließlich 19. August auch zwischen Rathaus Steglitz und Anhalter Bahnhof keine Züge fahren.

Rund 2,6 Kilometer Gleis sind nach Angaben Oertners bisher zwischen Rathaus Steglitz und Lichterfelde West erneuert worden. Dabei wird der Schotter entweder ausgetauscht oder maschinell an Ort und Stelle gereinigt und wieder eingebaut. Auch der Untergrund muss an einigen Stellen tragfähiger gemacht werden. Um bei künftigen Arbeiten den Zugverkehr nicht erneut monatelang einstellen zu müssen, wird zudem der Gleisabstand von 3,50 Meter auf mindestens 3,80 Meter verbreitert. Diese 30 Zentimeter reichen, um dann einen eingleisigen Betrieb zuzulassen, während auf dem Nachbargleis gebaut wird.

Bei der aufwendigen Sanierung jetzt ist das zweite Gleis aber auch für den Bauzug erforderlich. Die Materialien werden auf der Schiene an- und abtransportiert, um Lastwagenfahrten durch Wohngebiete zu vermeiden. Deshalb kann auch nur jeweils ein Gleis erneuert werden.

In die Länge ziehen sich die Arbeiten aber auch, weil die Bautrupps nicht in drei Schichten arbeiten dürfen. Genehmigt worden sind die Arbeiten für die Zeit zwischen 6 Uhr und 22 Uhr. Am Wochenende gibt es ferner Lärmbeschränkungen.

Obwohl die Ersatzfahrt mit Bussen rund 20 Minuten länger dauert, sind nach Angaben von S-Bahn-Marketing-Chef Wilfried Kramer nur etwa 30 Prozent der Kunden abgewandert. Die S-Bahn sei ihnen aber zum Teil auch sehr weit entgegengekommen, sagte ihr Sprecher Ingo Priegnitz. Nachdem sich ein Stammkunde, der auf den ersten Zug am Morgen angewiesen war, beschwert hatte, dass er nicht mehr rechtzeitig seinen Arbeitsplatz erreiche, habe die S-Bahn einen Zusatzbus eingesetzt, der den pünktlichen Anschluss an den Zug auf dem Bahnhof Rathaus Steglitz herstellt.

Wer sehen will, was die Bautrupps bisher geleistet haben, hat am Sonnabend Gelegenheit dazu. Im Rahmen der "Schaustelle Berlin" kann die Baustelle besichtigt werden. Karten gibt es ausschließlich über die "Schaustelle Berlin", Telefon 2801 8502 sowie ebenfalls im Internet unter www.berlin.de/schaustelle .

Genehmigung für Anhalter Bahn

Einen kleinen Fortschritt gibt es auch bei einem anderen Bahnprojekt. Für den Wiederaufbau der Gleise auf der Anhalter Bahn zwischen Lichterfelde Süd und der Stadtgrenze ist jetzt die Genehmigung erteilt worden. Seit Jahren klafft dort eine nur wenige hundert Meter kurze Lücke im Schienennetz, die einen Zugverkehr zwischen Berlin und Teltow verhindert.

Das Genehmigungsverfahren hatte eine erhebliche Verspätung. Wann die Gleise gelegt sein werden, könne man aber noch nicht sagen, teilte Bahnbausprecher Michael Baufeld mit.

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