Berlin : Zehntausende machten den Elchtest

Die Kunden kamen in Scharen zum neuen Ikea – das Verkehrschaos blieb aus

Matthias Oloew

Besser hätte sein Geburtstag gar nicht anfangen können. Slobodan Milanovic ist mit seiner Familie in aller Herrgottsfrühe aufgestanden, um dabei zu sein, wenn am Sachsendamm das neue Ikea öffnet. „Eigentlich wollte ich im Restaurant feiern“, sagt er, „aber das ging nicht am Tag der Eröffnung.“ Da haben ihm die Leute von Ikea ein anderes Angebot gemacht. Zusammen mit einem Mitarbeiter darf er den Kiefernstamm zersägen, der kurz vor acht vor dem Eingang des neuen Möbelhauses steht. Sie erweist sich ein wenig störrisch, die Kiefer, aber Milanovic schafft es gerade noch rechtzeitig. Um Punkt acht gehen die Türen des neuen Hauses auf. Und die ersten Kunden, die zum Teil seit sechs Uhr früh draußen gewartet hatten, reißen die Arme wie beim Zieleinlauf des Marathons hoch.

Einige tausend drängen sich. Bis der Stau sich auflöst, dauert es eine halbe Stunde. Da sind die Ersten schon durch den ganzen Laden gesprintet, haben ihre Siebensachen im Arm, und stehen an der Kasse. Slobodan Milanovic schlendert mit seiner Familie herum. 55 ist er geworden und seit 30 Jahren Stammkunde. „Ich war schon bei Ikea, als sie noch den Laden am Ku’damm-Karree hatten“, erzählt er. Seine besondere Beziehung zu dem schwedischen Möbelhaus wird noch verstärkt, „weil ich aus einem Land komme, in dem es kein Ikea gibt.“ Das Land heißt Serbien. „Immer, wenn ich nach Hause fahre, liegen mehrere Ikea-Kataloge im Koffer.“

Applaus für die Säge-Aktion bekommt er von Werner Weber, dem Deutschland-Chef von Ikea, aber auch von Anne und Walter Momper und dem schwedischen Botschafter Carl Tham. Der ist sich ganz sicher, die Gründe zu kennen, warum Ikea in Berlin beliebt ist. „Es ist das schwedische Design“, sagt er und wirbt nebenbei für eine nordische Design-Ausstellung im Kunstgewerbemuseum. Auf Nachfrage ergänzt er: „Und natürlich das Management.“ Das hat ganz geschickt Berlin zur schwedische Hauptstadt in Deutschland erklärt, den Reichstag zur Villa Kunterbunt gemacht und Nina Hagen als Pippi Langstrumpf geschminkt. Und es hat Klaus Wowereits berühmten Satz verändert und als Werbespot ausgestrahlt: „Ich bin Schwede, und das ist auch gut so.“

Die Lockrufe haben funktioniert. Knapp 40000 Besucher kommen am ersten Tag, das befürchtete Verkehrschaos bleibt jedoch aus. Polizei und Parkplatzwärter haben die Autofahrer zu freien Stellplätzen geleitet. Wenn in direkter Nähe nichts zu machen ist, dann auf Parplätze in der Umgebung. So viele Leute wie am ersten Tag sollen auch heute und morgen kommen. An beiden Tagen ist von acht bis 20 Uhr geöffnet, ab Montag von zehn bis 20 Uhr. Auch wenn der Verkehr fließt – die Polizei empfielt vorsorglioch die S-Bahn (Papestraße) zur Anreise.

Vor zwei Tagen hatte Ikea schon die Stammkunden der „Ikea-Family“ eingeladen, das neue Haus zu begutachten. Als Familie versteht sich auch der Konzern selbst. Nach schwedischem Understatement nennt man sich beim Vornamen und duzt sich. Die beiden Filialleiter motivieren die 380 Mitarbeiter indem sie sie drei Mal La Ola machen lassen, bevor die Türen wirklich aufgehen. Etwas mehr als ein Drittel der Kollegen sind übrigens neu eingestellt, die anderen kommen jeweils zur Hälfte aus den Häusern in Spandau und Waltersdorf. Ikea rechnet damit, dass diese beiden Läden viele Käufer an den Sachsendamm verlieren. Da werden dort nicht mehr so viele Mitarbeiter gebraucht.

Slobodan Milanovic ist inzwischen auf dem Weg nach Hause. Den Eröffnungs-Trubel wollte er sich nicht antun. Er kommt später wieder. Ganz sicher.

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