Berlin : Zeit für Tanzbären

Riesen-Feten waren out, gefeiert wurde aber trotzdem – und reichlich Die Stars zog es vor allem in die angesagten Clubs und Lokale

Andreas Conrad,Matthias Oloew

„Was bleibet aber, stiften die Dichter.“ Das hat Hölderlin, ein Dichter aus garantiert kinofreier Zeit, behauptet und dabei wohl auch an sich gedacht. Im Überschwang einer glanzvollen Berlinale- Schlussgala ist man freilich eher versucht zu sagen: „Was bleibet aber, stiften die Stars.“ Aber um was genau handelt es sich dabei?

Zunächst einmal um jede Menge Taschen, Teddys, T-Shirts, Mützen – das von den Gästen gerne erworbene Souvenir-Sortiment, das ohne den Glanz, der indirekt von den Stars auch auf diese Mitbringsel fällt, doch keinen interessierte. Bereits zur Mitte des Festivals seien 5600 Artikel verkauft worden, rühmte man sich dort in einer gestern veröffentlichten Bilanz. Über 150 000 Zuschauer seien in die Kinos geströmt, um sich in rund 1115 Vorführungen 360 Filme anzusehen.

Bilanz können jetzt auch die Autogrammjäger ziehen, die vor den einschlägigen Hotel und Kinos herumhingen, immer auf der Lauer, um George Clooney, Charlotte Rampling, Meryl Streep, Vin Diesel oder Ewan McGregor bloß nicht zu verpassen, ganz zu schweigen von Natalie Portman, Sigourney Weaver, Milla Jovovich, Philip Seymour Hoffman, Woody Harrelson, Isabella Rossellini oder Roberto Benigni. Doch, die Starparade konnte sich sehen lassen, auch wenn Richard Gere leider im New Yorker Schneegestöber stecken blieb und seine schöne Rede bei der Gala „Cinema for Peace“ ausfallen musste.

Auch enthusiastische Partygänger kamen wieder mehr auf ihre Kosten. Die Zeiten der aufwändigen Premierenevents, als beispielsweise die blaue Kugel an der Budapester Straße, heute Schauplatz von Sabine Christiansens Talkrunden, für „Mars Attacs!“ zur Sternenlandschaft umgebaut wurde, scheinen zwar endgültig vorbei. Und niemand wird mehr wie früher von den Filmfirmen mit Merchandising-Artikeln überschüttet. Aber gefeiert wird wieder häufig und gerne. Und die Stadt liefert dafür jedes Jahr reichlich neue Kulissen.

Das „Spindler & Klatt“ in der Köpenicker Straße konnte sich über die Clooney-Party freuen. Im „Weekend“-Club am Alex feierte die „Capote“-Premierengemeinde, und als Heath Ledger und seiner Filmpartnerin Abbie Cornish es auf den offiziellen Stehrumchen zu langweilig wurde, ließ er sich das „Kaffee Burger“ in der Torstraße empfehlen, wo er bis spät in die Nacht blieb. Auch der „China-Club“ und das „Felix“ waren Treffpunkte der Feierschickeria, allerdings nicht das „90 Grad“, das bisher immer gern von Berlinale-Stars besucht wurde. Dafür feierten die Premierengäste des Film „Der Rote Kakadu“ im „Café Keese“ – des hübschen Ambientes der 50er Jahre wegen. Und eine ehemalige Club-Institution feierte ihre Berlinale-Premiere: das „E-Werk“. Hier wurden am Freitag die „Teddys“ verliehen. Es hat gleich mehrere Vorteile. Es liegt nicht weit vom Festivalzentrum am Potsdamer Platz, und die Mega-VIPs mit Angst vor Gedränge können sich in die Lounge auf dem Dach zurückziehen.

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