Zensus : Experte fordert bessere Daten-Vernetzung

Charlottenburg-Wilmersdorf sucht seine Einwohner. Die Chancen für eine Überprüfung der Melderegisterdaten stehen schlecht. Experten fordern jetzt bessere Daten-Vernetzung.

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Der Zensus sorgt immer noch für Ärger in Berlin. Nun haben sich Charlottenburg-Wilmersdorfs Chancen auf Aufklärung verschlechtert.
Der Zensus sorgt immer noch für Ärger in Berlin. Nun haben sich Charlottenburg-Wilmersdorfs Chancen auf Aufklärung verschlechtert.Foto: Picture Alliance / dpa

Die Chancen für den Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf, seine Melderegisterdaten im Bezirk zu überprüfen, stehen schlecht. Bei der Innenverwaltung hieß es dazu am Freitag, „die Innenverwaltung wird selbstverständlich auch die neuen Stellungnahmen einer Prüfung unterziehen“. Und zugleich aber: „Die Daten werden nicht herausgegeben.“

Ob dies nun eine Generalabsage ist oder ob der Bezirk doch noch Chancen hat, seinen plötzlichen statistischen Verlust von 30 000 Einwohnern durch eine – später anonymisierte – Überprüfung von Namen an Klingelschildern im Vergleich zu den Melderegisterdaten zu erklären, stand Freitag noch nicht fest.

Der stellvertretende Bezirksbürgermeister Klaus-Dieter Gröhler (CDU) sieht darin keine Absage. Er habe von Innensenator Frank Henkel (CDU) auch noch keine Antwort erhalten. Wie berichtet, hat Charlottenburg-Wilmersdorf laut der Volkszählung (Zensus) 2011 nur 290 000 Einwohner, während laut den Melderegistern der Bürgerämter 320 000 Menschen dort lebten. Offenbar sind vor allem Migranten weggezogen, ohne sich im Bürgeramt abzumelden. In ganz Berlin fehlten laut Zensus 180 000 Menschen. Deswegen muss Berlin Mittel zurückzahlen, die es pro Kopf über den Länderfinanzausgleich bekam. Berlin und Hamburg wollen deswegen klagen.

Vorbild Niederlande

Klaus-Dieter Gröhler betonte, ein Bezirk könne auch gezielt Karteileichen aus den Melderegistern aussortieren, um den Fehlern bei Zensus und Melderegister auf die Schliche zu kommen. Dies sei aber kosten- und personalintensiv. Reiner Klingholz, Direktor vom Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung, schlägt vor, Deutschland solle prüfen, ob es wie andere Länder Abkommen unterzeichnet, nach denen Neuanmeldungen von Migranten im Ausland wiederum an Deutschland zurückgemeldet werden.

In den Niederlanden seien alle Ämter wie Melderegister, Krankenkassen und Ausländerbehörden vernetzt, so dass große Abweichungen wie in Berlin gar nicht vorkommen können. Klingholz sagte, keine Berliner Einwohnerzahl sei hundertprozentig verlässlich: Die Ausländerstatistik in Berlin sei stark fehlerhaft, und die auch im Zensus herangezogenen Melderegisterzahlen seien seit 23 Jahren aus Datenschutzgründen nicht rückwirkend verbessert worden. Und die Methodik des Zensus sei mathematisch hoch kompliziert, so dass dort ebenfalls Fehler lauern können.

Berlins Einwohnerzahlen haben sich indes schon wieder verändert: Laut Bevölkerungsfortschreibung nach dem neuen Zensus hatte Berlin im Dezember 3,37 Millionen Einwohner, nur noch 100 000 weniger, als das Melderegister der Innenverwaltung Berliner zählt.

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