Berlin : Zeugen haben vermisste Russin gesehen War Anna Mikhalchuk allein am Grunewaldsee?

Nach dem Verschwinden der russischen Künstlerin und Putin-Kritikerin Anna Mikhalchuk am Karfreitag sind bei der Polizei sieben Hinweise eingegangen. Zeugen wollen die 52-Jährige wenige Tage später, am 26. März, am Grunewaldsee in Wilmersdorf gesehen haben. Dort sei sie allein unterwegs gewesen. Die Kriminalpolizei sucht nun weitere Zeugen, die Anna Mikhalchuk ebenfalls am See oder anderswo begegnet sind.

Die Polizei ist der Ansicht, dass die Hintergründe des Verschwindens „im persönlichen Bereich“ liegen. Hinweise, dass die Vermisste Opfer eines Verbrechens wurde, gebe es nicht. Auch ein politischer Hintergrund sei derzeit nicht ersichtlich. Eine Suchaktion mit Tauchern und Hunden am Lietzensee sowie in einer nahe gelegenen Kleingartenkolonie blieb erfolglos.

Anna Mikhalchuk hatte sich am Nachmittag des Karfreitag von ihrem Mann, dem renommierten Philosophieprofessor Michail Ryklin, verabschiedet und die gemeinsame Wohnung in Charlottenburg nahe dem Lietzensee verlassen. Nach Polizeiangaben nahm sie Geld, Schlüssel und Brille mit, weil sie einkaufen gehen wollte. Ihre Papiere und ihr Handy ließ sie zu Hause. Seither ist die schlanke Frau mit dem dunklen Pagenkopf spurlos verschwunden. Das Ehepaar war erst im November 2007 nach Berlin gekommen.

Im Gegensatz zur Polizei schließen Freunde und Bekannte nicht aus, dass Anna Mikhalchuks Verschwinden einen politischen Hintergrund hat und sie Opfer eines Verbrechens wurde. Die jüdische Künstlerin ist in Russland wegen ihrer Arbeit und ihrer politischen Haltung mit dem Staat in Konflikt geraten. Im Jahr 2003 war Mikhalchuk Mitorganisatorin der Ausstellung „Achtung, Religion!“ und wurde vor Gericht gestellt. Die Ausstellung fand damals im „Sacharow-Museum“ statt, einer Organisation zur Erinnerung an den Menschenrechtler und Nobelpreisträger Andrej Sacharow. Die Anklage warf Mikhalchuk vor, nationalen und religiösen Zwist zu schüren. Sie wurde im März 2005 freigesprochen, jedoch wurde das Ehepaar immer wieder bedroht und auch antisemitisch beschimpft. tabu

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