Berlin : Zu heiß, zu kalt, zu feucht

Im Neubau der Akademie der Künste gibt es Probleme mit der Klimaanlage Alle Ausstellungen sind abgesagt, der Umzug des Archivs wird verschoben

Matthias Oloew

Drei Monate nach der feierlichen Eröffnung ist der Neubau der Akademie der Künste wieder eine Baustelle. Weil es Probleme mit der Klimaanlage gibt, hat die Akademie am Freitagnachmittag alle Ausstellungen bis auf weiteres abgesagt. Auch der Umzug des Archivs in die aufwendigen und teuren Kellerräume des Neubaus ist auf unbestimmte Zeit verschoben. Grund dafür sind starke Temperaturschwankungen und hohe Unterschiede bei der Luftfeuchtigkeit. Beides lasse sich derzeit nicht in den Griff bekommen, bestätigte die Sprecherin der Stadtentwicklungsverwaltung, Manuela Damianakis: „Die Probleme diskutieren wir intern schon seit einigen Wochen.“ Gestern nun haben Senatsverwaltung und Akademie die Reißleine gezogen.

In diesen Räumen könnten derzeit sensible Kunstwerke nicht gezeigt werden, heißt es weiter. Jetzt müsse ein Klimaplaner sagen, was zu tun sei. „Da werden sicherlich Folgekosten auf uns zukommen“, sagt Manuela Damianakis. Der Akademie-Neubau war schon jetzt 18 Millionen Euro teurer, als ursprünglich vorgesehen. 56 Millionen Euro hat der Bau das Land bisher gekostet.

Wer die neuen Kosten tragen muss, sei noch unklar. Fest stehe, dass architektonische Finessen des Entwurfs von Günter Behnisch dazu beitrügen, dass die Akademie schwer zu klimatisieren sei. So habe Behnisch darauf bestanden, dass es am Haupteingang keine gläsernen Windfänge gebe. Jetzt bläst der Wind jedesmal in das Foyer, wenn die Türen geöffnet werden – für eine Klimaanlage ein kaum zu lösendes Problem. Die Kellerräume, ohnehin für ein Archiv nicht optimal, waren bereits während der Bauphase von Schimmelpilz befallen. Im Frühjahr dieses Jahres konnte dieses Problem allerdings gelöst werden.

Der Bund, der die Akademie in seine Trägerschaft übernommen hat, will das Gebäude am Pariser Platz erst dann tragen, wenn alle Baumängel beseitigt sind. So lange kann Berlin nicht hoffen, die Kosten abzuwälzen. „Es scheint eine unendliche Geschichte zu werden, bis wir das Haus in Betrieb nehmen können“, sagt Alice Ströver (Grüne), Vorsitzende des Kulturausschusses im Abgeordnetenhaus. Monika Grütters, kulturpolitische Sprecherin der CDU-Fraktion, fürchtet neue Kosten für das Land: „Da bin ich gespannt, woher das Geld kommen soll.“

Akademie und Stadtentwicklungsverwaltung haben eine einjährige Testphase vereinbart, in der die Klimabedingungen erprobt werden sollen. „In dieser Phase wollen wir die Einstellungen der Klimaanlage testen“, erklärt Manuela Damianakis weiter, „bis Februar 2006 wollen wir das im Griff haben.“ Ob dafür die bestehende Anlage nachgerüstet werden könne, oder ob zum Beispiel am Haupteingang doch noch ein gläserner Windfang gebaut werden muss, ist derzeit unklar. Immerhin: Die laufende Ausstellung geht weiter, da sie aus unempfindlichen Exponaten besteht.

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