Berlin : Zuflucht im Zoo-Bunker

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„Ein Feldwebel übernimmt das Kommando. Wir treten auf die Straße. Die Dämmerung breitet ihren Schleier über die Stadt und lässt die Gestalten nur noch verschwommen erkennen. Aus der Richtung vom Nollendorfplatz fallen Schüsse. Wir laufen nach der Gedächtniskirche, die einstmals das Wahrzeichen der Prachtstraße Berlins war. Heute ist sie nur noch ein ausgebranntes Gemäuer mit abgeknicktem Turm. Ringsum eine Steinwüste. Kein Haus ist heilgeblieben. Nur am Kurfürstendamm scheinen noch ein paar Gebäude ganz zu sein. An der Kreuzung KurfürstendammHardenbergstraße steht ein Schützenpanzerwagen. Der Feldwebel erkundigt sich, ob hier nicht eine Unterkunft zu finden sei. Wir werden auf den Luftschutzbunker verwiesen, der jetzt zur Verteidigung diene.“

(Aus: Zerstört, besiegt, befreit. Der Kampf um Berlin bis zur Kapitulation 1945. Edition Hentrich, Berlin 1985)

Tagebuch eines Schneiders: „War wegen Wasser mit Lydia im zerstörten Karstadt-Gebäude. Hier wird immer noch feste geplündert. Während ich mich der langen Reihe der Wasserholer anschloss, begab sich Lydia in das Innere des stehen gebliebenen Teiles des ehemals riesigen Kaufhauses. Nach langer Zeit kam sie schwitzend und keuchend mit einer Kiste auf der Schulter wieder zum Vorschein.50 Pfund Kandis. Ich nahm ihr die schwere Beute ab, um sie nach Hause zu bringen. Unterwegs hielten uns mit einem Wagen kommende Russen an, ich musste absetzen und mitfahren, um ihnen den Weg zu Karstadt zu zeigen. “

(Aus: Sehr selten habe ich geweint. Briefe und Tagebücher aus dem Zweiten Weltkrieg von Menschen in Berlin. Schweizer Verlagshaus, Zürich 1992)

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