Berlin : Zugabfertigerin ließ Räuber fliehen Prozess gegen S-Bahnmitarbeiterin

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Die SBahnmitarbeiterin hat ihre Prinzipien. Margit M. lässt sich nicht beirren, wenn plötzlich jemand an die Scheibe des Aufseherhäuschens klopft, wild gestikuliert und nach der Polizei ruft. „Erst geht die Zugabfertigung vor“, sagt Margit M. im Amtsgericht Moabit. Die Staatsanwältin wirft der 52-jährigen Zugabfertigerin vor, sich durch ihr passives Verhalten der Strafvereitelung schuldig gemacht zu haben.

Es war der 2. Februar, gegen 4.30 Uhr, als eine Gruppe Jugendlicher drei junge Männer auf dem Bahnhof Landsberger Allee „abzog“, ihnen Handys, Monatskarten und Kleingeld raubte. Laut Anklage hat Margit M. den Tätern zur Flucht verholfen, indem sie seelenruhig den Zug abfertigte, in den die räuberische Gruppe kurz zuvor eingestiegen war.

Margit M. wies den Vorwurf vor Gericht zurück. Sie habe von dem Geschehen auf dem Bahnhof nichts mitbekommen – und erhielt Unterstützung von einem der Opfer. „Ich bin nicht hundertprozentig sicher, dass sie das beobachtet hat“, sagte der 18-jährige Zimmermann. Als er um Hilfe gebeten habe, sei der Zug auch schon abgefertigt gewesen. In der kommenden Woche wird das Gericht die beiden anderen Opfer anhören. Es will dann klären, ob die Zugabfertigerin tatsächlich in der Lage war einzugreifen. kf

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