Berlin : Zum Wegwerfen zu schade

Abfall ist heute mehr als Müll: 500000 Tonnen jährlich lässt die BSR verbrennen, verrotten, pressen – und macht dann Energie draus

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WER HAT’S ERFUNDEN?

Ein Erlass des Polizeipräsidenten verhalf Berlin Anfang des 20. Jahrhunderts zu besserer Luft: Ab sofort mussten Müllgefäße, 200 Liter fassende Eisenblech-Behälter, benutzt werden. Transportiert wurden sie auf einem Sammelwagen aus verzinktem Eisen. Den „Staubschutzwagen“, wie das Gefährt genannt wurde, hatte der Charlottenburger Stadtbaurat Kinsbruner entwickelt. Der Mülleimer wurde eingehängt, der Inhalt umgeleert. Beim Umkippen des Kastens öffnete ein Mechanismus den Schieber der Öffnung. Der Eimer verschloss die Luke, es staubte nicht.

Die Alternative hieß Wechseltonnensystem. Der Berliner Unternehmer Bruno Röhrecke hatte die Idee, gefüllte gegen leere Mülltonnen auszutauschen und die Kästen mit einem Anhänger abzufahren. Zum ersten Mal wurde es in Moabit eingesetzt. Allerdings galt es als weniger effektiv als das Umschüttsystem. Man brauchte zu große Transportwagen für die schweren Tonnen, und auch die Reinigung war aufwändig.

Von Pferden gezogene Staubschutzwagen waren in Berlin 1951 noch im Einsatz: nach dem Zweiten Weltkrieg gab es nur noch 12 Müllautos und 27 alte Elektrowagen in der Stadt. Während der Blockade schaffte die BSR die ersten 40 Großraum-Müllwagen an, weitere folgten – Sattelschlepper, ausgerüstet mit einer Druckluft-Kippanlage für die Müllbehälter. Im April 1955 verkündete die Stadtreinigung, bis zum 30. April 71 Pferde zu verkaufen und durch Sattelschlepper zu ersetzen. 1958 fuhren in Berlin 125 moderne Müllwagen. Quelle: Jinhee Park, Text: lei, Foto: ddp

Verfeuert, gesiebt, getrocknet, kompostiert: Abfall ist kein Wegwerfprodukt. Denn seit 2005 darf nirgendwo in Deutschland mehr unbehandelter Rohmüll auf Deponien gelagert werden. Die Maxime der Berliner Stadtreinigung lautet deshalb: alles verwerten. Auf drei Wegen wird der Müll aus der grauen Tonne weiterverarbeitet: in Aufbereitungsanlagen, in der Verbrennungsanlage, auf Deponien. Wie aus Schmutz Strom wird, aus Verfeuerungsresten Energie, aus Recyclingmaterial Brennstoff in Tablettenform, beschreibt die Farbgrafik, die dieser Ausgabe beiliegt. Wer die Brigade der Müllautos lotst, wie Berlin anno dazumal mit den Abfallmengen kämpfte und wie das heute und morgen elektronisch funktioniert, lesen Sie auf dieser Seite. Die BSR lässt sich in die Karten gucken.

Die nächste Folge erscheint am Freitag, 18. November. Dann geht es um den Nahverkehr in Berlin.

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