Berlin : Zur Premiere ein Finale

Die Berliner WM-Arena ist so gut wie fertig. Zum Pokalendspiel strahlt im Olympiastadion erstmals das neue Flutlicht

André Görke

Diese Akustik! Diese Optik! Das Licht! „Ist das nicht alles beeindruckend?“, fragt Hans-Wolf Zopfy, der Projektleiter des Olympiastadions, wenn er über die Tribünen der neuen Arena läuft. „Wir haben kein normales Stadion gebaut, es ist viel mehr; das Berliner Olympiastadion ist jetzt ein Theater!“

Auf der Bühne der neuen Arena werden heute Abend Alemannia Aachen und Werder Bremen um den DFB-Pokal spielen. 20 000 Fans werden aus Bremen erwartet, ähnlich viele aus Aachen; 70 000 Menschen werden insgesamt unter den wuchtigen, grauen Stahlträgern Platz finden. Das Pokalfinale ist seit Monaten ausverkauft.

Das Beeindruckendste am Olympiastadion, das im Juli mit einem dreitägigen Fest offiziell eröffnet wird, ist die neue Flutlichtanlage. Sie ist die modernste Europas, zumindest behaupten das die Betreiber. Nur das Spielfeld ist erleuchtet, die Tribünen liegen in der Dunkelheit. Die Lichtgrenze verläuft exakt am Graben entlang, der Spieler und Zuschauer voneinander trennt. Auch das ist für Zopfy großes Theater. Heute steht eine Premiere an: Das Spiel beginnt um 20 Uhr, der Abpfiff erfolgt unter Flutlicht.

Das Endspiel ist das letzte Spiel auf der Baustelle Olympiastadion. Fast 250 Millionen Euro an Baukosten haben der Bund und die Betreibergesellschaft in die Sanierung investiert. Nach vier Jahren sind die Arbeiten für die Endspielstätte der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 endlich abgeschlossen. In diesen Tagen stehen die letzten Reparaturarbeiten an. „Wir sind kurz vor dem Ziel, wir sind pünktlich“, sagt Hans-Wolf Zopfy. Heute legen die Arbeiter noch einmal einen kurzen Baustopp ein, dann verlegen sie die neue Tartanbahn. Keine rote, sondern eine blaue Bahn in den Farben des Berliner Erstligisten Hertha BSC wird die Rasenfläche umrahmen. Diese Farbe ist einmalig in Europa, Hertha BSC lässt sich die Sondermischung 40 000 Euro extra kosten.

Berlins Fußballfans haben Jahre auf der Baustelle hinter sich. Es gab Spieltage, an denen sie mit Sedimentschichten, die durch das Stadion wehten, eingestaubt wurden. Es gab Tage, da war kein Dach über den Zuschauern, nur Regenwolken. Und wo einmal die marode Haupttribüne stand, war viele Monate nicht viel mehr zu sehen als ein Sandloch, aus dem alte, rostige Stahlträger ragten. Heute steht die Haupttribüne wieder. Im Innern, verteilt auf vier Stockwerke, arbeiten noch Handwerker. Glasscheiben werden eingesetzt, der neue Lichtschacht entsteht. Dunkle, edle Holzplatten werden in die VIP-Logen getragen, von denen es in wenigen Wochen 88 Stück geben wird. Bisher sind es nur 20. Bald sitzen Politiker und Funktionäre vor ihrer verglasten Verandatür zwischen Ober- und Unterring. Die kleinen roten Sessel stehen schon auf dem Holzboden der Logen. Manche sind mit einer Plastikplane bedeckt. Es ist noch nicht alles fertig. Die Tiefgaragen im Norden und Süden, in denen die Mannschaftsbusse parken werden, sind noch Stauraum für Baumaterial. Später dürfen hier 650 Autos parken, unterirdisch verbunden mit der Tribüne durch einen Tunnel und eine Vorfahrhalle – sanft beleuchtet, wie das Foyer eines Theaters.

Die meisten aus Aachen und Bremen anreisenden Fußballfans dürften eine Karte für das Olympiastadion haben. Aber auch an anderen Orten haben die Anhänger der Vereine gute Chancen, mit Gleichgesinnten zu feiern:

FÜR AACHENER

Berliner Fans der Alemannia versammeln sich gerne im „Malheur“ in der Gneisenaustraße 17, Kreuzberg. Zwei Großbildleinwände, 22 Sorten Bier, Kicker- und Billardtische bieten alles, was der Fußballfreund vor, zum und nach dem Spiel braucht.

FÜR BREMER

Das „Alois S.“ ist Treffpunkt für die Berliner Werder-Anhänger. Zur Übertragung des Spiels auf der Großbildleinwand gibt’s Tapas und andere spanische Gerichte, aber natürlich auch Bier: Senefelder Straße 18, Prenzlauer Berg.

FÜR ALLE

Aus dem Sony-Center am Potsdamer Platz sendet ab 22.15 Uhr das ZDF-Sportstudio – auch die Mannschaften werden dazu erwartet. Zuvor können bis zu 2500 Zuschauer das Spiel auf Großbildleinwänden verfolgen. In der Mercedes-Welt am Salzufer wird das Spiel ebenfalls auf eine riesige Leinwand übertragen. In der Pause kann man sich an den ausgestellten Autos erfreuen: Salzufer 1, Tiergarten. how

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